Rosenstein ficht das Ergebnis der FIDE-Präsidentenwahl vor dem CAS an
Rosenstein ficht FIDE-Präsidentschaftswahl vor dem CAS an
Die Präsidentschaftswahl des Weltschachbundes FIDE ist erst wenige Tage vorbei, doch ihre Ergebnisse sind bereits Gegenstand eines Rechtsstreits. Der deutsche Schachfunktionär Vadim Rosenstein hat den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) angerufen und dabei die Rechtmäßigkeit der Teilnahme von Timur Turlov an der Wahl sowie die Anwendung der Wahlregeln der FIDE infrage gestellt.
Die Wahl fand am 26. September während der FIDE-Generalversammlung in Samarkand statt. Im zweiten Wahlgang erhielt Turlov 110 Stimmen, während Rosenstein auf 85 Stimmen kam. Die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Wahlverfahrens könnte damit nun aus der sportpolitischen in die juristische Ebene übergehen.
So verlief die FIDE-Präsidentschaftswahl
Drei Kandidaten traten um das Amt des FIDE-Präsidenten an: der Kasache Timur Turlov, der deutsche Unternehmer Vadim Rosenstein und der deutsche Unternehmer Jan-Henrik Buettner.
Im ersten Wahlgang erhielt Turlov 96 Stimmen, Rosenstein 76 und Buettner 20. Anschließend schied Buettner aus dem Rennen aus, sodass die Delegierten im zweiten Wahlgang zwischen den beiden verbliebenen Kandidaten entscheiden mussten.
In der entscheidenden Abstimmung erhielt Turlov 110 Stimmen gegenüber 85 für Rosenstein und wurde zum achten Präsidenten der FIDE gewählt. Er folgte auf Arkadi Dworkowitsch, der die Organisation seit 2018 geführt hatte.
Am folgenden Tag gab die FIDE offiziell die Zusammensetzung ihrer neuen Führung für die Amtsperiode 2026–2030 bekannt. Viswanathan Anand wurde zum Vizepräsidenten gewählt.
Doch mit der Abstimmung scheint das Wahlverfahren noch nicht abgeschlossen zu sein.
Was genau ficht Rosenstein an?
Rosensteins Gang vor den CAS betrifft vor allem die Frage, ob Timur Turlov zur Wahl zugelassen werden durfte.
Bereits vor der Abstimmung hatte der deutsche Kandidat die Anwendung der FIDE-Regeln auf Turlov im Zusammenhang mit Sanktionsbestimmungen infrage gestellt. Rosenstein argumentierte, dass die FIDE-Wahlkommission bei der Prüfung seiner Beschwerde seiner Ansicht nach nicht umfassend bewertet habe, wie der Beschluss des FIDE-Rates vom März 2022 zu Personen, die von Sanktionen betroffen sind, anzuwenden sei.
Nun hat Rosenstein die Angelegenheit an den CAS weitergeleitet und strebt eine unabhängige rechtliche Bewertung an.
Der deutsche Kandidat betonte zudem, dass er den Streit nicht ausschließlich vor dem Hintergrund seiner eigenen Wahlniederlage betrachtet. Aus seiner Sicht geht es vor allem um die Frage, ob die FIDE-Regeln für alle Teilnehmer des Wahlprozesses gleichermaßen gelten sollten.
Warum wurde Turlovs Wahlzulassung bereits vor der Abstimmung infrage gestellt?
Der Streit um Turlovs Kandidatur begann lange vor dem Wahltag.
Im August und September 2026 reichten alle drei Wahlkampfteams Beschwerden bei der FIDE-Wahlkommission ein. Insbesondere die Teams von Buettner und Rosenstein warfen Fragen hinsichtlich Turlovs Berechtigung zur Teilnahme an der Wahl auf. Die FIDE bestätigte den Eingang der entsprechenden Eingaben und teilte mit, dass die beteiligten Seiten ihre rechtlichen Stellungnahmen eingereicht hatten.
Rosenstein verwies dabei ausdrücklich auf Turlovs Sanktionsstatus und auf die Notwendigkeit zu klären, wie die entsprechenden FIDE-Bestimmungen in einem solchen Fall anzuwenden seien.
Turlov wurde letztlich zur Wahl zugelassen, nahm an beiden Wahlgängen teil und erhielt im zweiten Wahlgang die erforderliche Mehrheit.
Genau diese Entscheidung steht nun im Mittelpunkt von Rosensteins Beschwerde beim CAS.
Ein neuer Streit nach der Abstimmung
Nach der Wahl stellte Rosenstein außerdem Fragen zu den Ereignissen unmittelbar vor dem zweiten Wahlgang.
In einer öffentlichen Erklärung behauptete er, Turlov und der britische Schachfunktionär Malcolm Pein hätten vor den Delegierten öffentlich gegenseitige Unterstützung gezeigt. Nach Rosensteins Ansicht könnte dies gegen die Regeln des Wahlprozesses verstoßen haben. Er brachte diesen Vorgang mit einem möglichen Einfluss auf die Verteilung der Stimmen nach dem Ausscheiden Buettners in Verbindung.
Wichtig ist, dass es sich hierbei um Rosensteins Position und nicht um eine vom CAS festgestellte Tatsache handelt. Eine abschließende rechtliche Bewertung solcher Vorwürfe müsste durch die zuständige Instanz erfolgen.
Rosenstein erklärte zugleich, dass er die Entscheidungen der an der Abstimmung beteiligten nationalen Schachverbände respektiere – unabhängig davon, welchem Kandidaten sie ihre Stimmen gegeben haben.
Was könnte der CAS entscheiden?
Die Anrufung des Internationalen Sportgerichtshofs bedeutet nicht automatisch, dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl aufgehoben wird.
Zunächst muss der CAS prüfen, ob der Fall in seine Zuständigkeit fällt und ob rechtliche Gründe vorliegen, um Rosensteins Anträgen stattzugeben. Zu den zentralen Fragen könnten die Zulassung Turlovs, die Auslegung der einschlägigen FIDE-Bestimmungen und die Einhaltung der verfahrensrechtlichen Vorgaben gehören.
Bis auf Weiteres bleibt Timur Turlov der offiziell gewählte Präsident der FIDE. Der Weltschachbund hat bereits die Zusammensetzung seines Rates für die neue vierjährige Amtsperiode bekannt gegeben. Turlov wird darin als Präsident und Anand als stellvertretender Präsident geführt.
Wie es weitergeht, hängt daher nicht allein von der Einreichung der Beschwerde ab, sondern von deren Prüfung und einer möglichen Entscheidung des Sportgerichtshofs.
Die Wahl ist vorbei – der Streit geht weiter
Der FIDE-Präsidentschaftswahlkampf 2026 gehörte zu den ereignisreichsten der vergangenen Jahre. Bereits vor der Abstimmung reichten die Kandidaten Beschwerden ein, stritten über Zulassungsregeln und warfen Fragen zur Transparenz des Wahlprozesses auf.
Am 26. September trafen die Delegierten ihre Entscheidung: Timur Turlov setzte sich im zweiten Wahlgang mit 110:85 gegen Vadim Rosenstein durch und übernahm für die Amtsperiode 2026–2030 die Führung der FIDE.
Nun beginnt jedoch das juristische Kapitel dieser Geschichte. Rosenstein strebt eine rechtliche Prüfung der strittigen Fragen durch den CAS an, insbesondere hinsichtlich der Anwendung der FIDE-Regeln auf die Kandidaten.
Die Präsidentschaftswahl in Samarkand ist damit zwar formal abgeschlossen, ihre rechtlichen Folgen könnten jedoch zu einem neuen Abschnitt des Verfahrens führen. Das letzte Wort in diesem Streit könnte nun nicht bei den Delegierten der Generalversammlung, sondern bei den zuständigen juristischen Instanzen liegen.