FIDE-Gipfel „Schach im Bildungswesen“ 2026 findet in Samarkand statt
FIDE-Gipfel 2026 in Samarkand: Die Zukunft des Schachs in der Bildung
Schach wird zunehmend nicht nur als Sport oder intellektueller Wettbewerb betrachtet, sondern auch als wirkungsvolles Bildungsinstrument. Die Fähigkeit, eine Stellung zu analysieren, mehrere Züge vorauszuplanen, Entscheidungen zu treffen und die Konzentration aufrechtzuerhalten, kann weit über das Schachbrett hinaus von Nutzen sein.
Genau diesem Thema widmet sich der FIDE Summit on Chess in Education, der am 24. September 2026 in Samarkand, Usbekistan, im Rahmen des FIDE-Kongresses und der 46. Schacholympiade stattfinden wird.
2026: Das Jahr des Schachs in der Bildung
Der Zeitpunkt des Gipfels ist kein Zufall. 2026 wurde zum Jahr des Schachs in der Bildung erklärt, wobei eines der wichtigsten Ziele der FIDE darin besteht, den Einsatz von Schach in Bildungssystemen weltweit auszuweiten.
Die FIDE möchte Schach als Instrument zur Entwicklung akademischer, sozialer und lebenspraktischer Fähigkeiten etablieren. Gleichzeitig verfolgt die Organisation das ambitionierte Ziel, die Zahl der Kinder, die an Schachprogrammen im Bildungsbereich teilnehmen, gegenüber dem Stand von 2021 zu erhöhen.
Dabei geht es um weit mehr als darum, Schülerinnen und Schülern lediglich das Schachspielen beizubringen. Das Konzept Chess in Education sieht vor, Schachübungen, Rätsel und Spielsituationen unmittelbar in den Lernprozess zu integrieren.
Deshalb bringt das Motto des Gipfels, „Every Lesson Counts“ („Jede Unterrichtsstunde zählt“), eine wesentlich umfassendere Idee zum Ausdruck: Jede Schachpartie und jede Lernerfahrung kann zur Entwicklung eines Kindes beitragen.
Was wird in Samarkand diskutiert?
Der Gipfel wird Vertreter verschiedener Bereiche zusammenbringen, darunter politische Entscheidungsträger und Bildungsexperten, Lehrkräfte, Forscher sowie Entwickler neuer Bildungsansätze.
Das wichtigste Ziel des Treffens besteht darin, darüber zu diskutieren, wie Schach in modernen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen effektiver eingesetzt werden kann. Zu den zentralen Themen gehören:
* internationale Best Practices bei der Integration von Schach in Schulsysteme;
* Forschungsergebnisse zu den kognitiven und sozialen Vorteilen des Schachs;
* Auswirkungen von Schachprogrammen an Schulen auf Kinder und Lehrkräfte;
* Entwicklung von Konzentration, kritischem Denken und Kreativität;
* neue Modelle für Schachprogramme im Bildungsbereich;
* Zusammenarbeit zwischen Schulen, Universitäten, Schachverbänden und staatlichen Institutionen.
Damit wird der FIDE-Gipfel nicht nur eine Plattform sein, auf der bereits umgesetzte Projekte vorgestellt werden. Er soll auch Raum für die Diskussion darüber bieten, wie die Zukunft der Schachbildung aussehen kann.
Von den ersten Schulprogrammen zu einem globalen System
In den vergangenen Jahren hat die FIDE ihre Aktivitäten im Bildungsbereich deutlich ausgeweitet. Die FIDE-Kommission für Schach in der Bildung bietet inzwischen spezielle Ausbildungsprogramme für Lehrkräfte und Pädagogen an.
So richtet sich beispielsweise der Kurs Preparation of Teachers (PoT) an Lehrkräfte und vermittelt pädagogische Methoden, digitale Werkzeuge sowie praktische Möglichkeiten, Schach als Bildungsinstrument einzusetzen. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung können die Teilnehmer den Titel FIDE School Instructor (SI) erwerben.
Darüber hinaus entwickelt die FIDE Ausbildungsprogramme für Fachkräfte, die wiederum andere Lehrkräfte ausbilden sollen. Zu diesem Zweck gibt es das Programm Preparation of Lecturers (PoL), das mit den Qualifikationen Lead School Instructor und Senior Lead Instructor verbunden ist.
Dieses System zeigt, dass die FIDE Schachbildung als langfristiges Entwicklungsfeld betrachtet, das nicht nur interessante Unterrichtsstunden, sondern auch entsprechend ausgebildete Fachkräfte erfordert.
Warum ist Schach für moderne Schulen relevant?
Eine der größten Stärken des Schachs besteht darin, dass es Lernen und Spiel miteinander verbindet.
Kinder werden ständig mit Situationen konfrontiert, in denen sie verschiedene Möglichkeiten bewerten, die Folgen einer Entscheidung vorhersehen und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen müssen. Gleichzeitig werden die Auswirkungen dieser Entscheidungen häufig nahezu unmittelbar sichtbar.
Das Schachbrett wird dadurch zu einer Art Labor für die Entwicklung von Denkfähigkeiten.
Konzentration ist notwendig, um keine Drohung des Gegners zu übersehen.
Planung hilft dabei, eine Abfolge von Handlungen aufzubauen.
Kritisches Denken fordert dazu auf, die eigenen Ideen zu überprüfen.
Geduld ist erforderlich, um nach der besten Lösung zu suchen.
Kreativität zeigt sich bei der Suche nach ungewöhnlichen Kombinationen und unerwarteten Ideen.
Aus diesem Grund präsentiert die FIDE Schach als ein Instrument, das die Entwicklung von Fähigkeiten unterstützen kann, die im 21. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Auch Universitäten werden Teil der Bewegung
Ein weiterer wichtiger Trend ist die Ausweitung der Schachbildung über den schulischen Bereich hinaus.
Die FIDE betont die Rolle der Universitäten als Zentren für Forschung und Bildungsinnovation. Die Organisation baut ein Netzwerk von Partneruniversitäten auf und plant, gemeinsame Empfehlungen für Schachprogramme an Hochschulen zu entwickeln.
Dies könnte die nächste Entwicklungsstufe der Bewegung darstellen. Schach wird nicht mehr ausschließlich als außerschulische Aktivität betrachtet, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem Forschungsgegenstand in den Bereichen Pädagogik, Kognitionswissenschaften und Bildungsforschung.
Das Programm des Gipfels: Von der Vergangenheit in die Zukunft
Das Programm in Samarkand wurde so gestaltet, dass die Entwicklung der Schachbildung aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann.
Der Vormittag beginnt mit einer speziellen Sitzung zum Jahr des Schachs in der Bildung 2026. Vorgesehen sind Begrüßungsreden hochrangiger Gäste, Videobotschaften, eine Unterzeichnungszeremonie für ein Memorandum of Understanding sowie eine Preisverleihung. Zu den angekündigten Hauptrednern gehört Dr. Achyuta Samanta, der Gründer von KIIT und KISS.
Nach der Pause folgen Podiumsdiskussionen unter dem Titel „Past, Present and Future of Chess in Education“. Die Teilnehmer werden bestehende Programme, die Herausforderungen neuer Pilotprojekte sowie die Möglichkeiten einer stärkeren Einbindung von Universitäten in die Bildungs-Schachbewegung diskutieren.
Ein eigener Programmbereich widmet sich innovativen Vorträgen. Zu den angekündigten Themen gehören der Einsatz von Schach zur Unterstützung von Geflüchteten und Menschen, die von Konflikten betroffen sind, die Verbesserung des Zugangs von Kindern zum Schach, die Rolle der 64 Felder beim Aufbau von Gemeinschaften sowie die Ergebnisse einer globalen Studie zum Thema Schach und Bildung.
Der Gipfel als Teil eines großen Schachereignisses
Im September 2026 wird Samarkand zu einem der wichtigsten Zentren des internationalen Schachkalenders.
Die Stadt wird die 46. Schacholympiade, die FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderungen sowie den FIDE-Kongress ausrichten. Der Kongress selbst findet vom 20. bis 27. September statt, während der Bildungsgipfel für den 24. September geplant ist.
Dies verleiht der Konferenz eine besondere Bedeutung. Innerhalb einer Woche werden Schachspieler, Schachverbände, Organisatoren, Bildungsexperten und Vertreter internationaler Organisationen am selben Ort zusammenkommen.
Damit rückt die Schachbildung während eines der größten Ereignisse des Jahres für die weltweite Schachgemeinschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Schulauszeichnungen und konkrete Ergebnisse
Eine weitere wichtige Initiative von FIDE EDU ist das Programm FIDE School Award. Es zeichnet Schulen aus, die ein hohes Niveau bei der Entwicklung von Schach im Bildungsbereich sowie eine starke Einbindung ihrer lokalen Gemeinschaften zeigen.
Nach Angaben von FIDE EDU hatten bis Anfang 2026 87 Schulen weltweit diese Auszeichnungen erhalten. Die FIDE plant, weiterhin Bewerbungen entgegenzunehmen und die nationalen Schachverbände stärker in die Entwicklung des Programms einzubeziehen.
Der Gipfel in Samarkand wird somit nicht nur eine Plattform für Diskussionen sein. Er bietet auch die Möglichkeit, konkrete Ergebnisse bestehender Initiativen vorzustellen und zu erörtern, wie erfolgreiche Modelle weiteren Ländern zugänglich gemacht werden können.
Was könnte sich nach dem Gipfel verändern?
Die entscheidende Frage ist nicht, wie erfolgreich die Veranstaltung selbst am 24. September verlaufen wird. Viel wichtiger ist, welche Entscheidungen und Ideen auch nach dem Ende des Gipfels weiterwirken werden.
Wenn aus den Diskussionen neue Partnerschaften zwischen Schachverbänden und Bildungsministerien, neue Schulprogramme, die Ausbildung weiterer Lehrkräfte und zusätzliche Forschungsprojekte hervorgehen, könnte der Einfluss des Gipfels weit über einen einzigen Tag im Kalender hinausreichen.
Hier wird die eigentliche Bedeutung des Mottos „Every Lesson Counts“ deutlich.
Jede Unterrichtsstunde kann der erste Schritt zu einem aufmerksameren und strukturierteren Denken sein. Jede Schachaufgabe kann als Training für Entscheidungsfindung dienen. Und jedes Schulprogramm kann Teil eines größeren internationalen Systems werden, das Sport, Bildung und die Entwicklung von Kindern miteinander verbindet.
Samarkand als Ausgangspunkt
Am 24. September 2026 wird Samarkand Menschen zusammenbringen, die im Schach nicht nur einen Wettbewerb um den Sieg, sondern auch ein Instrument zum Lernen sehen.
Die FIDE arbeitet daran, Schach einen wichtigeren Platz in modernen Bildungssystemen zu geben. Wenn diese Strategie erfolgreich umgesetzt wird, könnten ihre Auswirkungen weit über Schachklassen hinausreichen.
Denn der Wert einer Schachstunde lässt sich nicht allein daran messen, wie viele Partien ein Schüler gewinnt.
Manchmal ist viel wichtiger, wie ein Schüler lernt zu denken, zu analysieren, Fehler zu machen, nach einer neuen Lösung zu suchen und den nächsten Zug zu machen.
Deshalb wird im September in Samarkand ein einfacher, aber ambitionierter Grundsatz im Mittelpunkt stehen:
Every Lesson Counts.