Das dritte Remis des russischen Schachspielers.

Der russische Schachspieler spielte zum dritten Mal remis im Kandidatenturnier. Ein halber Punkt, der längst nicht mehr wie ein Zufall wirkt

Im Kandidatenturnier beginnen sich Remis schnell in zwei Kategorien zu teilen. Die einen helfen, im Rennen zu bleiben, die anderen verwandeln sich nach und nach in einen beunruhigenden Hintergrund. Immer stärker gehört die Geschichte von Andrej Esipenko inzwischen zur zweiten Kategorie: Er beendete auch seine Partie der fünften Runde friedlich, und dieses Remis wurde bereits sein drittes im Turnier. Sein Aufeinandertreffen mit R. Praggnanandhaa endete durch Zugwiederholung, obwohl noch die meisten Figuren auf dem Brett standen. Die FIDE beschrieb die Partie als solide und ruhig, ohne echten Vorteil für eine der beiden Seiten.

Ein russischer Schachspieler untersucht konzentriert die Stellung während einer angespannten Partie des Kandidatenturniers in einem warm beleuchteten Turniersaal.

Ein trockenes Ergebnis, hinter dem sich ein wichtiges Signal verbirgt

Formal klingt die Nachricht neutral: Der russische Schachspieler holte einen weiteren halben Punkt. Doch im Kontext des Kandidatenturniers existieren solche Resultate nie im luftleeren Raum. Nach fünf Runden hat Esipenko bereits eine ganze Sammlung von Remis angehäuft, und genau das ist selbst zu einer eigenen Geschichte seines Starts geworden. Er teilte den Punkt bereits mit Hikaru Nakamura und Matthias Bluebaum, und nun auch mit Praggnanandhaa. Gleichzeitig hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits Niederlagen auf dem Konto, sodass diese neuen Remis ihn weniger nach oben schieben, als vielmehr verhindern, dass er völlig nach unten durchgereicht wird.

Und genau hier beginnt die zentrale Zwiespältigkeit.
Einerseits ist ein Remis gegen einen starken Gegner in einem solchen Turnier keine Katastrophe. Andererseits entsteht, wenn es bereits das dritte in kurzer Zeit ist, das Gefühl, dass der Spieler ständig irgendwo zwischen echtem Kampf und unvollendeter Verwertung hängen bleibt. Im Kandidatenrennen ist das ein gefährlicher Zustand: Du bist zwar noch am Leben, aber die Spitzenleute ziehen schneller davon, als du ihnen folgen kannst. Die Tabelle nach Runde fünf bestätigte das: Sindarov stand bereits bei +4, während Caruana nach einem weiteren Sieg dicht dahinter blieb.

Wie die Partie gegen Praggnanandhaa verlief

Laut FIDE entwickelte sich die Partie zwischen Esipenko und Praggnanandhaa in der Zukertort-System. Wirklich Explosives geschah in der Eröffnung nicht. Im Gegenteil: Der offizielle Bericht betonte, dass die Partie aus theoretischer Sicht nichts Sensationelles hervorbrachte — eine solide, praktische Wahl, nach der die Spieler ziemlich schnell zur Zugwiederholung fanden. Besonders bezeichnend ist dabei, dass der Friedensschluss bei noch recht vollem Brett erfolgte — also ohne langes technisches Auspressen und ohne dramatisches Endspiel.

Das sagt viel über den Charakter dieses Ergebnisses aus.
Es war nicht die Art von Remis, die aus einer schlechteren Stellung gerettet wird. Und es war auch nicht die Art, die nach einem sechs Stunden langen Erschöpfungskampf entsteht. Eher war es eine Partie, in der keine Seite wirklich riskieren konnte oder wollte. Für Praggnanandhaa kann ein solches Ergebnis noch als brauchbar gelten. Für Esipenko ist es komplizierter, weil Neutralität in seiner aktuellen Tabellensituation bereits gegen ihn zu arbeiten beginnt.

Warum sich das dritte Remis in Folge bereits schwerer anfühlt als das erste

Über die lange Distanz eines Kandidatenturniers bedeutet ein einziges Remis fast nichts. Zwei lassen sich immer noch mit dem Stil bestimmter Paarungen erklären. Aber wenn es drei werden, beginnen sie ein Bild des Turniers zu formen. Und für Esipenko sieht dieses Bild derzeit so aus: Es gibt einzelne gute Phasen, aber keinen stabilen Vorwärtsrhythmus.

In Runde zwei zum Beispiel spielte er sehr respektabel gegen Nakamura. Laut FIDE-Überblick gelang es Esipenko sogar, einen Bauern zu gewinnen und lange Druck auszuüben, doch der Amerikaner verteidigte das Turmendspiel nahezu fehlerlos. Das war ein Remis, nach dem man sagen konnte: Ja, der volle Punkt wurde nicht geholt, aber Form und Inhalt machen Hoffnung. In Runde fünf ist das Gefühl anders. Hier wirkt das Remis eher wie ein Ergebnis ohne Durchbruch als wie eine Bestätigung von Stärke.

Was das für den Turnierkampf bedeutet

Der unangenehmste Teil dieser Geschichte liegt nicht einmal in der Partie selbst, sondern in dem, was ringsherum geschah. Während Esipenko und Praggnanandhaa ruhig den Punkt teilten, besiegte Javokhir Sindarov Nakamura und erreichte +4 nach fünf Runden, während Fabiano Caruana Matthias Bluebaum schlug und der engste Verfolger des Führenden blieb. Mit anderen Worten: Oben bewegte sich das Turnier erneut, während Esipenkos Remis ihn nur in der Zwischenzone festigte.

Genau das macht dieses dritte Remis so doppeldeutig.
Ein halber Punkt ist für sich genommen immer besser als null. Aber in einem Format, in dem nur einer gewinnt, werden zu viele ruhige Ergebnisse schnell teurer, als sie wirken. Nicht weil ein Remis an sich schlecht wäre, sondern weil die Siege der anderen vor diesem Hintergrund wie ein Beschleunigen wirken, auf das du bislang keine Antwort findest.

Gibt es hier Grund für Optimismus?

Ja, und er ist immer noch da. Das Turnier ist nicht kurz: Es lag noch eine lange Strecke vor ihm, und ein einziger Sieg auf diesem Niveau kann tatsächlich vieles verändern. Außerdem hatte Esipenko bereits Partien, in denen er selbst für die stärksten Gegner gefährlich genug wirkte. Das bedeutet: Das Problem ist bislang nicht ein völliger Zusammenbruch seines Spiels, sondern die Tatsache, dass gute Fragmente sich nicht zu einem echten Durchbruch zusammenfügen. Darauf weisen indirekt sowohl seine früheren Ergebnisse hin als auch der sehr unterschiedliche Charakter seiner Remis — vom kämpferischen gegen Nakamura bis zum beinahe blutleeren gegen Praggnanandhaa.

Doch die Zeit zum Hineingleiten ins Turnier wird immer knapper.
Das dritte Remis ist jener Punkt, nach dem es schwer wird zu sagen: „Das Turnier beginnt ja erst.“ Es läuft bereits, es trennt sich bereits, es schiebt einige nach oben und lässt andere im Wartemodus zurück. Und Esipenko befindet sich gerade genau in dieser gefährlichen Zone des Wartens.

Fazit

Das dritte Remis des russischen Schachspielers im Kandidatenturnier ist kein lauter Fehlschlag, aber auch keine Nachricht mit klar positivem Vorzeichen. In der fünften Runde trennte sich Andrej Esipenko ruhig von Praggnanandhaa in einer Partie, in der für keine Seite eine echte Krise entstand. Doch gerade wegen dieser Ruhe wirkt das Resultat so zweideutig: Der Punkt ging nicht verloren, aber die Chance zu beschleunigen glitt erneut vorbei.

Manchmal beginnt ein Turnier nicht nach einer einzigen schmerzhaften Niederlage zu entgleiten, sondern nach einer Serie sorgfältiger Resultate, die dich zwar nicht abstürzen lassen, dir aber auch nicht erlauben, die Spitze wirklich zu packen. Für Esipenko sieht das dritte Remis genau so aus — wie ein Moment, nach dem es nicht mehr reicht, sich einfach nur zu halten. Er muss nun endlich den Rhythmus des Turniers zu seinen Gunsten verändern.

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