Die FIDE hat die Rating-Gebühren für Schnellschach und Blitzschach bis Ende 2027 abgeschafft.
Weniger Kosten, mehr Partien: FIDE verlängert Gebührenbefreiung für Schnellschach und Blitz
Ein Amateurturnier beginnt lange vor dem ersten Zug. Die Organisatoren müssen einen Spielsaal finden, Schiedsrichter einsetzen, Schachuhren bereitstellen, eine Ausschreibung erstellen und die Kosten kalkulieren. Bei einem großen Schachfestival fällt ein zusätzlicher Haushaltsposten womöglich kaum ins Gewicht. Für einen kleinen Verein kann er darüber entscheiden, ob ein Turnier jetzt stattfindet, verschoben oder das Programm verkleinert wird.

Deshalb ist die Gebührenbefreiung mehr als eine Frage der Buchhaltung. Dahinter steht eine ganz praktische Überlegung: Wie erschwinglich ist es, ein Turnier zu organisieren, dessen Ergebnisse in die internationale Elo-Auswertung einfließen?
Am 23. Oktober 2026 gab die FIDE bekannt, dass ihr Rat die Befreiung sämtlicher Schnellschach- und Blitzturniere von den Gebühren für die Elo-Auswertung bis einschließlich Ende 2027 verlängert hat. Die Entscheidung gilt ab sofort und wurde nach Angaben der FIDE bereits in das FIDE-Handbuch aufgenommen.
Welche Gebühren entfallen?
Die Entscheidung betrifft die FIDE-Gebühren für die Elo-Auswertung, die von den nationalen Verbänden entrichtet werden. Die Finanzordnung der FIDE sieht vor, dass der FIDE-Rat diese Gebühren für Schnellschach- und Blitzturniere erlassen oder reduzieren kann.
Dabei müssen zwei Zahlungen unterschieden werden: die Gebühr für die internationale Elo-Auswertung und das Startgeld, das der Veranstalter von den Teilnehmern erhebt. Die Verlängerung betrifft die Auswertungsgebühr und macht die Teilnahme an Turnieren nicht automatisch kostenlos.
Raummiete, Schiedsrichter, Ausstattung und weitere Ausgaben müssen weiterhin finanziert werden. Es wäre daher verfrüht, aus der Ankündigung auf zwangsläufig sinkende Startgelder zu schließen.
Eine Entlastung, die bereits seit mehreren Jahren besteht
Die Gebührenbefreiung wurde erstmals für den Zeitraum von 2021 bis 2024 eingeführt. Laut der jüngsten FIDE-Mitteilung beläuft sich die Gesamtsumme der seit Beginn der Initiative erlassenen Gebühren inzwischen auf nahezu zwei Millionen Euro.
Mit der Verlängerung sollen mehr Menschen zur Teilnahme bewegt und die Verbreitung des Schachs gefördert werden.
Hinter dieser Gesamtsumme stehen die Budgets einzelner Veranstaltungen. Was die Unterstützung in der Praxis bedeuten kann, lässt sich am besten aus der Sicht eines regelmäßigen Turnierveranstalters verstehen.
Warum kleinere Turniere davon profitieren könnten
Stellen wir uns einen örtlichen Schachverein vor, der jeden Monat ein Schnellschachturnier und an den Wochenenden Blitzturniere ausrichten möchte. Ein Spiellokal und ein fester Teilnehmerkreis sind vorhanden, doch das Budget ist begrenzt.
In dieser Situation zählen nicht nur die Kosten einer einzelnen Veranstaltung, sondern die Ausgaben für eine ganze Saison. Je weniger verpflichtende Zahlungen anfallen, desto leichter lässt sich ein verlässlicher Turnierkalender aufstellen.
Eingesparte Mittel könnten für konkrete Anschaffungen und Aufgaben genutzt werden: defekte Schachuhren ersetzen, einen Schiedsrichter bezahlen, neue Figurensätze kaufen oder zusätzliche Preise bereitstellen. Das sind mögliche Verwendungen der Ersparnis, keine Vorgaben der FIDE.
Für die Entwicklung eines Vereins ist Regelmäßigkeit besonders wertvoll: Die Spieler müssen sich darauf verlassen können, dass das nächste Turnier tatsächlich stattfindet.
Eine gelungene Veranstaltung kann Aufmerksamkeit wecken. Eine feste Turnierserie gibt den Menschen einen Grund, wiederzukommen, sich auf die nächsten Partien vorzubereiten und nach und nach Teil einer Schachgemeinschaft zu werden.
Was haben die Spieler davon?
Für die Teilnehmer bleiben Finanzordnungen meist im Hintergrund. Sie kommen zum Spielen, prüfen die Paarungen und schauen nach der letzten Runde auf die Ergebnisse.
Doch die Organisationskosten beeinflussen, wie viele Gelegenheiten sie überhaupt bekommen, sich ans Brett zu setzen.
Hilft die finanzielle Entlastung einem Verein dabei, seine Turnierserie fortzuführen oder ein zusätzliches Turnier anzubieten, gewinnen die Spieler mehr Spielpraxis. Anfänger können sich an die Schachuhr und die Anspannung im Wettkampf gewöhnen. Erfahrene Amateure erhalten die Gelegenheit, ihre Vorbereitung zu überprüfen und auf neue Gegner zu treffen.
Die Wirkung der Initiative sollte dennoch an tatsächlichen Veränderungen im Turnierkalender gemessen werden. Der Wegfall einer Gebühr allein garantiert keine neuen Veranstaltungen. Dafür braucht es weiterhin Organisatoren, Schiedsrichter, geeignete Räume und interessierte Teilnehmer.
Der nächste Schritt: ein Turnier veranstalten
Diese Geschichte endet weder mit einer spektakulären Kombination noch mit einem Meisterpokal. Ihr Ergebnis kann wesentlich unscheinbarer ausfallen: Ein Verein veröffentlicht frühzeitig seine Termine, ein Veranstalter hält das Startgeld erschwinglich oder ein kleines Turnier erlebt eine weitere Auflage.
Durch solche Entscheidungen entsteht der Schachalltag.
Für die Spieler beginnt alles mit einer vertrauten Einladung: „Am Samstag findet ein Turnier statt.“ Doch bevor sie ihren ersten Zug machen können, muss jemand die Möglichkeit haben, dieses Turnier auf die Beine zu stellen.