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Wer wird die Nummer 1 nach Carlsen? Die 5 wichtigsten Anwärter

Wer kommt nach Carlsen? 5 Schachspieler, die die Nummer 1 der Welt werden können

Magnus Carlsen ist seit vielen Jahren die prägende Figur des Weltschachs. Der Norweger führt die FIDE-Weltrangliste weiterhin an und liegt im September 2026 bei 2.823 Elo. Doch der Abstand zu seinen engsten Verfolgern wird allmählich kleiner. Hinter der Nummer 1 der Welt hat sich eine ganze Gruppe von Spielern entwickelt, die Carlsens Dominanz in den kommenden Jahren ernsthaft herausfordern könnte.

Besonders spannend ist, dass Carlsens möglicher Nachfolger nicht unbedingt der Spieler sein muss, der heute als erster Favorit gilt. Einige liegen bereits nur wenige Dutzend Elo-Punkte hinter der Spitze, während andere gerade erst richtig Fahrt aufnehmen.

Hier sind fünf Schachspieler, die realistisch als Kandidaten für die Nummer 1 der Welt gelten können.


1. Hikaru Nakamura – Carlsens engster Verfolger

Hikaru Nakamura

Wenn man ausschließlich auf die Zahlen schaut, ist Hikaru Nakamura der naheliegendste Kandidat, um Carlsen an der Spitze abzulösen.

In der FIDE-Weltrangliste vom September belegt der US-Amerikaner mit 2.792 Elo den zweiten Platz und liegt damit nur 31 Punkte hinter Carlsen.

Das ist längst keine theoretische Möglichkeit mehr. Nakamura hat bereits mehrfach bewiesen, dass er auf allerhöchstem Niveau mitspielen kann.

Seine größte Stärke ist seine außergewöhnliche Vielseitigkeit. Hikaru ist in praktisch jedem Format gefährlich:

* klassisches Schach;

* Schnellschach;

* Blitzschach;

* Online-Schach;

* Matchplay.

Ebenso wichtig ist die psychologische Komponente. Nakamura ist es gewohnt, unter enormem Druck zu spielen, und lässt sich vom Status seines Gegners nur selten beeindrucken.

Doch es gibt ein Problem

Das Alter.

Nakamura wurde 1987 geboren. Sein Zeitfenster für einen nachhaltigen Angriff auf die Nummer 1 ist daher deutlich kleiner als das der jüngeren Herausforderer.

Dennoch sollte man das Alter bei Nakamura nicht als endgültiges Urteil betrachten. Seine Karriere hat immer wieder gezeigt, dass er sich anpassen, seinen Spielstil weiterentwickeln und neue Wege finden kann, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Chancen auf Platz 1: Sehr hoch auf kurze Sicht.


2. Fabiano Caruana – Der ewige Herausforderer

Fabiano Caruana

Wenn Nakamura ein Meister des Tempos und des praktischen Kampfes ist, verkörpert Fabiano Caruana einen ganz anderen Spielertyp.

Im September 2026 belegt Caruana mit 2.789 Elo den dritten Platz der FIDE-Weltrangliste. Auf Carlsen fehlen ihm lediglich 34 Punkte.

Caruana war bereits mehrfach in unmittelbarer Nähe zur Weltspitze. Noch wichtiger: 2018 war er extrem nah dran, Weltmeister zu werden, als er Carlsen im WM-Match herausforderte.

Seine größte Waffe ist seine tiefgehende, fundamentale Vorbereitung.

Caruana ist in der Lage,

* Eröffnungen bis ins kleinste Detail zu analysieren;

* unglaublich komplexe Stellungen zu erzeugen;

* seine Konzentration über lange Zeit aufrechtzuerhalten;

* selbst kleinste Vorteile in Siege umzuwandeln;

* auf höchstem Niveau konstant Punkte zu sammeln.

Gerade diese Konstanz macht ihn so gefährlich.

Das Problem: Um die Nummer 1 zu werden, reicht es nicht, dauerhaft zu den besten Spielern der Welt zu gehören. Caruana müsste über einen längeren Zeitraum bessere Ergebnisse erzielen als Carlsen, Nakamura und die übrige Weltelite gleichzeitig.

Chancen auf Platz 1: Hoch, dafür braucht es jedoch eine nahezu perfekte Turnierphase.


3. Javokhir Sindarov – Vielleicht die größte Gefahr aus der neuen Generation

Javokhir Sindarov

Hier wird es besonders interessant.

Javokhir Sindarov belegt mit 2.778 Elo den vierten Platz der FIDE-Weltrangliste. Er hat sich bereits in der absoluten Weltelite etabliert. Im Gegensatz zu Nakamura und Caruana besitzt er jedoch einen entscheidenden Vorteil: sein Alter.

Sindarov gehört zu einer neuen Generation von Schachspielern, für die eine Wertungszahl von 2.750+ längst nichts Außergewöhnliches mehr ist.

Sein Stil vereint mehrere Eigenschaften, die ein zukünftiger Weltranglistenerster braucht:

Präzision + Aggressivität + hervorragende Technik + mentale Stärke.

Entscheidend ist, dass Sindarov nicht wie ein Spieler wirkt, der seinen hohen Elo-Wert lediglich einem einzigen überragenden Turnier verdankt. Er entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil der Spitzengruppe.

Deshalb sollte man ihn nicht nur als möglichen Top-3-Spieler betrachten.

Er könnte tatsächlich irgendwann an den Punkt kommen, an dem er sagt:

„Ich will die Nummer 1 sein.“

Sindarov hat Zeit auf seiner Seite. Und wenn seine Wertungszahl weiterhin in diesem Tempo steigt, könnte die Frage irgendwann nicht mehr lauten, ob er die Nummer 1 werden kann, sondern wann es passieren wird.

Chancen auf Platz 1: Sehr hoch auf lange Sicht.


4. Nodirbek Abdusattorov – Tempo, Charakter und enormes Potenzial

Nodirbek Abdusattorov

Ein weiterer Vertreter Usbekistans ist Nodirbek Abdusattorov.

In der September-Weltrangliste 2026 liegt er mit 2.762 Elo auf Platz sieben.

Auf den ersten Blick könnte ein Abstand von 61 Punkten zu Carlsen zu groß erscheinen, um ihn aufzuholen.

Doch eine Elo-Zahl ist lediglich eine Momentaufnahme.

Abdusattorov hat bereits bewiesen, dass er große Turniere gewinnen und einige der stärksten Spieler der Welt schlagen kann. Noch wichtiger: Er hat sich schon in sehr jungen Jahren an die Weltspitze herangearbeitet.

Er besitzt mehrere Eigenschaften, die im Kampf um Platz 1 besonders wertvoll sind:

* außergewöhnlich schnelle Entscheidungsfindung;

* selbstbewusstes Spiel in komplizierten Stellungen;

* hervorragende Technik;

* die Bereitschaft, auf Sieg zu spielen;

* enorme Energie im Wettkampf.

Abdusattorov gehört außerdem zu einer Generation, die mit computergestützter Schachvorbereitung aufgewachsen ist.

Für ihn gehören tiefgehende Engine-Analysen, riesige Eröffnungsdatenbanken und die permanente Vorbereitung auf Gegner ganz selbstverständlich zum Beruf.

Deshalb könnte sein tatsächliches Potenzial deutlich größer sein als seine aktuelle Elo-Zahl vermuten lässt.

Chancen auf Platz 1: Hoch, insbesondere auf Sicht der kommenden Jahre.


5. R Praggnanandhaa – Der Kandidat mit dem größten Aufwärtstrend

R Praggnanandhaa

Wenn man nach einem Spieler sucht, der derzeit besonders stark im Aufwind ist, gehört Praggnanandhaa zu den ersten Namen, die einem einfallen.

Im September 2026 schaffte der Inder erstmals den Sprung in die Top 10 der FIDE-Weltrangliste. Er kletterte auf Platz acht mit einer Elo-Zahl von 2.761 und gewann im Laufe des Monats 11 Wertungspunkte hinzu.

Und das ist keineswegs nur ein zufälliger Ausschlag.

Praggnanandhaa hat bereits die Grand Chess Tour 2026 gewonnen. Seine Ergebnisse gegen die stärksten Spieler der Welt zeigen außerdem, dass er dauerhaft mit der Elite mithalten kann und nicht nur gelegentlich für Überraschungen sorgt. Auch seinen Sieg beim Norway Chess im Juni hob die FIDE hervor.

Besonders beeindruckend ist, wie schnell er sich an das Schach auf höchstem Niveau angepasst hat.

Praggnanandhaa ist noch jung, verfügt aber bereits über die Erfahrung aus Elite-Superturnieren und hochklassigen Matches, die sich bei vielen Spielern erst deutlich später in der Karriere ansammelt.

Und damit stellt sich die entscheidende Frage:

Was passiert, wenn er sich weitere drei bis fünf Jahre so weiterentwickelt?

Eine Elo-Zahl von 2.761 ist bereits Weltklasse.

2.800 könnte die Zone sein, in der der Kampf um Platz 1 beginnt.

Danach wird entscheidend sein, ob der Inder einzelne große Erfolge in dauerhafte Konstanz verwandeln kann.

Chancen auf Platz 1: Sehr hoch auf lange Sicht.


Was ist mit Gukesh, Arjun und Vincent Keymer?

Natürlich bedeutet eine Liste mit fünf Spielern nicht, dass alle anderen aus dem Rennen sind.

Gukesh Dommaraju, der amtierende Weltmeister, steht in der September-Weltrangliste 2026 derzeit deutlich weiter unten als gewohnt — auf Platz 31 mit 2.703 Elo. Sein Weltmeistertitel und seine bisherigen Leistungen machen es jedoch unmöglich, ihn abzuschreiben.

Auch Arjun Erigaisi gehört weiterhin zu den stärksten Spielern der Welt. Im September liegt er mit 2.759 Elo auf Platz neun.

Und dann ist da noch Vincent Keymer. Der Deutsche belegt mit 2.764 Elo den sechsten Platz und rückt der absoluten Weltspitze immer näher.

Der tatsächliche Kampf um die Nummer 1 ist also deutlich größer als diese fünf Namen.


Wer kann Carlsen tatsächlich vom Thron stoßen?

Hier muss man zwischen zwei unterschiedlichen Fragen unterscheiden.

Wer könnte als Erster die Nummer 1 werden?

Am wahrscheinlichsten sind Nakamura oder Caruana. Beide liegen bereits sehr nah an Carlsen und verfügen über enorme Erfahrung auf höchstem Niveau.

Wer könnte Carlsen langfristig an der Spitze ablösen?

Das ist eine andere Geschichte.

Die aussichtsreichsten Kandidaten könnten Sindarov, Abdusattorov und Praggnanandhaa sein.

Sie besitzen etwas, das den meisten ihrer aktuellen Konkurrenten fehlt:

Zeit zur Weiterentwicklung.


Die größte Spannung im Weltschach

Carlsen bleibt die Nummer 1 — und führt die Rangliste weiterhin mit einem deutlichen Vorsprung an. Doch die Situation ist heute eine völlig andere als noch vor einigen Jahren.

Hinter ihm wartet nicht mehr nur ein möglicher Nachfolger.

Da ist Nakamura.

Da ist Caruana.

Da ist Sindarov.

Da ist Abdusattorov.

Da ist Praggnanandhaa.

Und direkt dahinter stehen Gukesh, Arjun und Keymer bereit.

Das könnte die beste Nachricht für das Weltschach sein.

Carlsen hat eine Ära geprägt, in der die Messlatte für die Nummer 1 der Welt auf ein nahezu beispielloses Niveau gestiegen ist. Nun muss die nächste Generation mehr tun, als einfach den frei werdenden Thron zu übernehmen.

Sie muss beweisen, dass sie Carlsen selbst übertreffen kann.

Und wenn ich einen Spieler auswählen müsste, der das Gesicht der nächsten Schachära werden könnte, würde meine Wahl auf Javokhir Sindarov fallen.

Doch wenn uns die vergangenen Jahre eines gelehrt haben, dann, dass es im Schach gefährlich ist, einen neuen König zu früh zu krönen.

Carlsen steht noch immer an der Spitze. Aber der Kampf um seinen Thron hat längst begonnen.