Wer ist der schwächste Weltmeister in der Geschichte des Schachs?
Wer ist der schwächste Schachweltmeister der Geschichte? Gukesh ist der Hauptkandidat!
Als der indische Großmeister Dommaraju Gukesh im Dezember 2024 zum jüngsten Schachweltmeister der Geschichte wurde, bezeichneten viele diesen Moment als Beginn einer neuen Ära. Es schien, als hätte die Schachwelt den Nachfolger von Magnus Carlsen gefunden — einen Spieler, der den Titel über viele Jahre halten und die Weltspitze dominieren könnte.

Doch nur kurze Zeit später entstand rund um den neuen Weltmeister eine völlig andere Frage:
Könnte Gukesh tatsächlich der schwächste Schachweltmeister in der Geschichte des klassischen Schachs sein?
Diese Aussage klingt provokant und gewagt. Doch wenn man Ergebnisse, Elo-Zahlen und historische Vergleiche betrachtet, ist diese Diskussion längst nicht mehr ausgeschlossen.
Warum ist diese Frage überhaupt entstanden?
Fast jeder Weltmeister bewies nach dem Gewinn des Titels seine außergewöhnliche Stellung im Schach.
Garry Kasparow blieb viele Jahre lang die Nummer eins der Weltrangliste.
Wladimir Kramnik gewann nach seinem Sieg gegen Kasparow weiterhin große Turniere.
Viswanathan Anand gehörte über ein Jahrzehnt zur absoluten Weltspitze.
Selbst Magnus Carlsen, obwohl er auf eine Titelverteidigung verzichtete, dominierte weiterhin die Weltrangliste.
Bei Gukesh sieht die Situation anders aus.
Nach seinem Sieg gegen Ding Liren begannen seine Ergebnisse deutlich nachzulassen. Im Laufe des Jahres 2025 und besonders 2026 landete der Weltmeister bei mehreren Spitzenturnieren regelmäßig im unteren Bereich der Tabelle, verlor viele Elo-Punkte und wirkte nicht mehr wie ein Spieler, der die Konkurrenz klar überragt.
Ein Weltmeister, der nicht als stärkster Spieler der Welt gilt
Genau darin sehen viele Kritiker das größte Problem.
Historisch betrachtet wurde der Schachweltmeister meistens gleichzeitig als stärkster Spieler der Welt angesehen.
Heute ist die Situation jedoch anders.
Viele Experten und Fans zählen weiterhin folgende Spieler zur absoluten Weltspitze:
- Magnus Carlsen;
- Fabiano Caruana;
- Hikaru Nakamura;
- Arjun Erigaisi;
- Nodirbek Abdusattorov.
Gukesh liegt diesen Spielern sowohl bei der Elo-Zahl als auch bei der Konstanz häufig hinterher. Sein Status als Weltmeister basiert auf seinem Sieg im WM-Match, doch nicht alle sind bereit, ihn als objektiv stärksten Spieler der modernen Schachwelt zu bezeichnen.
Der Elo-Absturz sorgt für Diskussionen
Besonders aussagekräftig sind die Zahlen.
Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels begann Gukeshs Elo-Zahl schrittweise zu sinken.
Bei mehreren prestigeträchtigen Turnieren hintereinander gehörte er nicht mehr zu den Favoriten, und beim Quantbox Chennai Grand Masters 2026 belegte er überraschend den letzten Platz.
Für einen amtierenden Weltmeister sind solche Ergebnisse äußerst ungewöhnlich.
In den Zeiten von Kasparow, Carlsen oder Anand wären vergleichbare Negativserien kaum vorstellbar gewesen.
Kann man ihn wirklich den schwächsten Weltmeister nennen?
Genau hier wird die Diskussion komplizierter.
Wenn man ausschließlich die Spielstärke während seiner Zeit als Weltmeister betrachtet, gehört Gukesh tatsächlich zu den Spielern, die für diese Diskussion genannt werden.
Die Gründe dafür sind offensichtlich:
- keine Siege bei großen Turnieren nach dem Gewinn des WM-Matches;
- deutlicher Elo-Verlust;
- unbeständige Leistungen;
- regelmäßige Niederlagen gegen direkte Konkurrenten;
- fehlende Dominanz gegenüber der Weltelite.
Allerdings kennt die Schachgeschichte auch andere Weltmeister, die von ihren Zeitgenossen als vergleichsweise wenig dominant angesehen wurden.
Welche anderen Weltmeister sorgten für ähnliche Diskussionen?
Ding Liren
Er gilt möglicherweise als Gukeshs größter Konkurrent in solchen Vergleichen.
Der chinesische Großmeister wurde 2023 Weltmeister, nachdem Magnus Carlsen entschieden hatte, seinen Titel nicht zu verteidigen.
Obwohl Ding ein Spieler von Weltklasse ist, war seine Amtszeit als Weltmeister von schwankender Form geprägt, gefolgt von einem deutlichen Leistungseinbruch.
In gewisser Weise ermöglichten Dings Probleme Gukesh den Gewinn des WM-Matches.
Max Euwe
Der niederländische Weltmeister sorgte 1935 für eine große Überraschung, als er Alexander Aljechin besiegte.
Doch bereits zwei Jahre später holte sich Aljechin den Titel souverän zurück.
Obwohl Euwe eine Legende der Schachgeschichte bleibt, betrachten ihn viele als einen der weniger dominanten Weltmeister.
Wassili Smyslow
Auch Smyslow wird manchmal in solchen Diskussionen erwähnt.
Solche Vergleiche sind jedoch häufig unfair.
Er spielte mehrere WM-Kämpfe und gehörte über viele Jahre hinweg zu den stärksten Schachspielern der Welt.
Warum die Kritik an Gukesh möglicherweise verfrüht ist
Es gibt auch eine andere Perspektive.
Gukesh ist erst 19 Jahre alt.
Er bleibt der jüngste Weltmeister der Schachgeschichte, und viele Experten glauben, dass seine aktuellen Schwierigkeiten vor allem durch den enormen psychologischen Druck, die Anpassung an die Rolle des Weltmeisters und die gestiegene Verantwortung verursacht werden.
Die Schachgeschichte kennt viele Beispiele von jungen Großmeistern, die schwierige Phasen durchlebten und anschließend ein völlig neues Niveau erreichten.
Es ist durchaus möglich, dass die aktuellen Rückschläge nur eine vorübergehende Phase darstellen.
Was sagen die Schachlegenden?
In den vergangenen Monaten haben mehrere bekannte Weltmeister öffentlich Zweifel daran geäußert, dass Gukesh derzeit der stärkste Schachspieler der Welt ist.
Garry Kasparow erklärte zuvor, dass mit Magnus Carlsens Verzicht auf die Titelverteidigung die Ära der Weltmeister endete, die gleichzeitig auch die stärksten Spieler der Welt waren. Anatoli Karpow kritisierte ebenfalls die Qualität des WM-Matches zwischen Gukesh und Ding Liren. Gleichzeitig mahnt Viswanathan Anand zur Geduld und betont, dass der junge Weltmeister Zeit brauche, um sich an seine neue Rolle zu gewöhnen.
Fazit
Kann man Gukesh bereits jetzt als den schwächsten Weltmeister der Geschichte bezeichnen?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht.
Wenn man ausschließlich seine Ergebnisse nach dem Gewinn des Titels betrachtet, haben die Kritiker tatsächlich mehr Argumente als zuvor. Kein moderner Weltmeister musste kurz nach seinem Triumph einen derart deutlichen Leistungsabfall erleben.
Doch die Schachgeschichte hat immer wieder gezeigt, dass selbst große Karrieren schwierige Phasen durchlaufen. Gukesh bleibt ein außergewöhnliches Talent, das bereits das Kandidatenturnier gewonnen und als jüngster Weltmeister der Geschichte Schachgeschichte geschrieben hat.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob er der schwächste Weltmeister war, sondern ob er dieses Etikett mit zukünftigen Siegen widerlegen kann. Die kommenden Jahre werden die endgültige Antwort liefern.