Wer wird 2027 Carlsens Hauptkonkurrent sein? Drei Anwärter
Wer wird Carlsens größter Rivale 2027? Drei Spieler, die den Norweger stoppen können
Magnus Carlsen bleibt der Maßstab im Weltschach. Der Norweger hat sich zwar längst aus dem klassischen Weltmeisterschaftszyklus zurückgezogen, doch das hat ihn nicht daran gehindert, weiterhin als stärkster Spieler der Welt zu gelten und bei den größten Turnieren regelmäßig um Siege zu kämpfen.
Doch die Situation beginnt sich zu verändern.
Eine neue Generation von Schachspielern schließt immer schneller zu Carlsen auf. Dabei handelt es sich längst nicht mehr nur um junge Talente mit einer vielversprechenden Zukunft. Praggnanandhaa, Javokhir Sindarov und Arjun Erigaisi sind bereits heute in der Lage, die besten Spieler der Welt zu schlagen.
Die Saison 2026 ist dafür besonders aussagekräftig. Praggnanandhaa gewann Norway Chess und sicherte sich Ende August den Titel der Grand Chess Tour, nachdem er einen Rückstand von sechs Punkten gegen Fabiano Caruana aufgeholt und das Duell mit 15:13 gewonnen hatte.
Sindarov gewann das Kandidatenturnier und erkämpfte sich damit das Recht, gegen Gukesh um den Weltmeistertitel anzutreten.
Unterdessen gelang Arjun Erigaisi im Juni bei der Weltmeisterschaft für Mannschaften im Schnellschach ein beeindruckender Sieg gegen Carlsen.
Damit wird die Frage vor der Saison 2027 immer spannender: Welcher Spieler der neuen Generation könnte zum wichtigsten Rivalen von Magnus Carlsen werden?
Magnus Carlsen bleibt das große Ziel
Bevor wir uns die möglichen Herausforderer ansehen, lohnt sich ein Blick auf den Spieler, den sie zu überholen versuchen.
Carlsen steht seit mehr als anderthalb Jahrzehnten an der Spitze der Weltrangliste und hat praktisch jeden bedeutenden Titel im klassischen Schach sowie im Schnell- und Blitzschach gewonnen. 2025 wurde der Norweger erneut Blitzweltmeister und holte damit bereits seinen neunten Weltmeistertitel in dieser Disziplin.
Gleichzeitig denkt Carlsen keineswegs daran, von der internationalen Schachbühne zu verschwinden.
Im Gegenteil: Er tritt weiterhin gegen die stärksten Spieler der Welt an und beteiligt sich an großen neuen Schachprojekten. Für die jüngere Generation bedeutet das, dass ein Platz in den Top 10 längst nicht ausreicht.
Wer Carlsen ernsthaft herausfordern will, muss konstant gegen die Weltelite bestehen.
Und drei Spieler zeigen bereits, dass sie dazu in der Lage sind.
1. R Praggnanandhaa – Der aussichtsreichste Kandidat
Wenn man heute einen Spieler als den wahrscheinlichsten Kandidaten für die Rolle von Carlsens wichtigstem Rivalen im Jahr 2027 nennen müsste, wäre R Praggnanandhaa wohl die logischste Wahl.
Der indische Großmeister erlebt derzeit möglicherweise die stärkste Phase seiner bisherigen Karriere.
Im Sommer 2026 gewann Praggnanandhaa das prestigeträchtige Turnier Norway Chess und erzielte anschließend einen noch größeren Erfolg: Er gewann die Grand Chess Tour. Im Finale in St. Louis traf er auf Fabiano Caruana.
Der entscheidende Tag begann für den Inder denkbar schwierig. Caruana hatte einen Vorsprung von sechs Punkten.
Doch Praggnanandhaa schaffte es, das Match komplett zu drehen.
Er holte den Rückstand im Schnellschach auf und verteidigte anschließend seinen Vorsprung im Blitzschach. Am Ende gewann er das Duell mit 15:13.
Damit wurde Praggnanandhaa zum ersten indischen Schachspieler, der die Grand Chess Tour gewinnen konnte.
Warum könnte er derjenige sein, der Carlsen stoppt?
Praggnanandhaa besitzt mehrere Eigenschaften, die im Duell mit dem Norweger besonders wertvoll sind.
Erstens ist er außergewöhnlich stark in den schnelleren Bedenkzeiten.
Zweitens hat der Inder eine bemerkenswerte mentale Widerstandsfähigkeit bewiesen. Das Finale der Grand Chess Tour ist dafür ein perfektes Beispiel: Anstatt nach einem katastrophalen Start aufzugeben, kämpfte er weiter und drehte ein Match, das beinahe verloren schien.
Drittens hat Praggnanandhaa bereits bewiesen, dass er Carlsen schlagen kann. 2026 besiegte er den Norweger bei Norway Chess und gewann anschließend das Turnier.
Deshalb wirkt Praggnanandhaa derzeit wie der ernsthafteste Kandidat.
Wenn seine Entwicklung weiter so schnell voranschreitet, könnte die Rivalität zwischen Carlsen und Praggnanandhaa zu einem der prägenden Schachduelle der Saison 2027 werden.
2. Javokhir Sindarov – Der zukünftige Weltmeister?
Der zweite Herausforderer ist nicht weniger gefährlich.
Die Rede ist von Javokhir Sindarov, dem 20-jährigen Großmeister aus Usbekistan.
Im April 2026 gelang ihm der große Durchbruch: Sindarov gewann das Kandidatenturnier bereits eine Runde vor Schluss. Mit 10 Punkten aus 14 Partien sicherte er sich das Recht, gegen Gukesh um den Weltmeistertitel anzutreten.
Die Bedeutung dieses Erfolgs lässt sich an einer einfachen Tatsache erkennen: Das Kandidatenturnier versammelt einige der stärksten Spieler der Welt. Sindarov gewann den Wettbewerb jedoch nicht nur – er tat es überzeugend.
Nun wartet eine noch größere Herausforderung auf ihn: ein Weltmeisterschaftsmatch.
Unabhängig vom Ausgang des Duells gegen Gukesh hat Sindarov bereits bewiesen, dass er zu den führenden Spielern der neuen Generation gehört.
Was macht Sindarov für Carlsen so gefährlich?
Vor allem seine Vielseitigkeit.
Der usbekische Großmeister kann sowohl strategisch als auch extrem scharf spielen. Er scheut komplizierte Entscheidungen nicht und weiß, wie er seine Konzentration auch in Partien aufrechterhält, in denen der Druck über viele Stunden hinweg anhält.
Sindarov hat außerdem bereits erlebt, wie es sich anfühlt, Carlsen im Schnellschach zu besiegen. Bei der Weltmeisterschaft für Mannschaften im Schnellschach im Juni 2026 endete ihre Partie mit einem Sieg des Usbeken.
Es war nur eine einzelne Partie, doch Siege dieser Art können einen erheblichen psychologischen Wert haben.
Sindarov weiß bereits, dass Carlsen geschlagen werden kann.
Wenn er sich nach seinem Weltmeisterschaftsmatch weiter so entwickelt, könnte er 2027 zu einem der unangenehmsten Gegner des Norwegers werden.
3. Arjun Erigaisi – Der gefährlichste Taktiker
Der dritte Spieler auf unserer Liste ist ein weiterer Vertreter der indischen Schachschule: Arjun Erigaisi.
Im Gegensatz zu Praggnanandhaa, der 2026 vor allem bei seiner Konstanz einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, bleibt Arjun ein unberechenbarerer Spieler.
Doch wenn Erigaisi sein höchstes Niveau erreicht, ist er extrem schwer zu stoppen.
Das zeigte sich eindrucksvoll bei seinem Duell gegen Carlsen bei der Weltmeisterschaft für Mannschaften im Schnellschach im Juni.
Mit den schwarzen Steinen spielte Arjun eine der spektakulärsten Partien des Turniers. Er startete einen kraftvollen Angriff, opferte seine Dame und brachte Carlsen in eine Stellung, aus der sich der Norweger nicht mehr befreien konnte.
Was macht Erigaisi so gefährlich?
Vor allem seine taktische Stärke.
Arjun ist in der Lage, ungewöhnliche Lösungen in Stellungen zu finden, in denen die meisten Spieler lieber vereinfachen würden. Er scheut Risiken nicht und weiß, wie er selbst Carlsen vor große Probleme stellen kann.
Doch Erigaisi steht vor einer großen Herausforderung – der Konstanz.
Um Carlsens wichtigster Rivale zu werden, reicht es nicht aus, einige brillante Partien zu spielen. Er muss sein hohes Niveau über ein komplettes Turnier und eine gesamte Saison hinweg halten.
Wenn Arjun dieses Problem lösen kann, könnte sein Name auf der Liste der größten Herausforderer Carlsens deutlich nach oben klettern.
Was ist mit Gukesh?
Es ist unmöglich, über die neue Generation des Weltschachs zu sprechen, ohne Gukesh Dommaraju zu erwähnen.
Der Inder hat bereits das erreicht, wovon praktisch jeder junge Großmeister träumt: Er wurde Weltmeister.
2026 soll Gukesh seinen Titel in einem Match gegen Sindarov verteidigen. Dieses Duell könnte einen erheblichen Einfluss auf die Kräfteverhältnisse vor der Saison 2027 haben.
Wenn Gukesh zu seiner besten Form zurückfindet, wird er automatisch zu einem der wichtigsten Konkurrenten Carlsens.
Im Moment ist es jedoch schwierig, ihn allein aufgrund der aktuellen Form unter die drei größten Herausforderer einzuordnen. Gukeshs größte Aufgabe besteht darin, seine Ergebnisse zu stabilisieren und zu beweisen, dass sein Weltmeistertitel der Beginn einer längeren Dominanz war und nicht nur einen einmaligen Höhepunkt darstellte.
Wer kann Carlsen wirklich stoppen?
Hier ist es wichtig, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden.
Carlsen zu schlagen, ist bereits möglich.
Praggnanandhaa, Sindarov und Erigaisi haben das alle bewiesen.
Doch Carlsen langfristig zu übertreffen, ist eine völlig andere Herausforderung.
Der Norweger verfügt über enorme Erfahrung und hat nur sehr wenige Schwächen. Er ist im klassischen Schach ebenso gefährlich wie im Schnell- und Blitzschach.
Ein junger Spieler muss deshalb mehr schaffen, als Carlsen einmal zu besiegen. Er muss lernen, dies regelmäßig zu tun.
Genau hier besitzt der Norweger weiterhin einen entscheidenden Vorteil.
Ranking der wichtigsten Herausforderer für 2027
Auf Grundlage ihrer Ergebnisse und ihrer Entwicklung im Jahr 2026 könnte die Rangliste der drei größten Herausforderer wie folgt aussehen:
🥇 Praggnanandhaa
Größter Vorteil: herausragende Form und Siege bei großen Turnieren.
Praggnanandhaa hat 2026 bereits Norway Chess und die Grand Chess Tour gewonnen. Außerdem hat er gezeigt, dass er Matches auch unter enormem Druck noch drehen kann.
🥈 Sindarov
Größter Vorteil: rasante Entwicklung und Sieg beim Kandidatenturnier.
Wenn Sindarov in seinem Weltmeisterschaftsmatch erfolgreich ist und seine Entwicklung in diesem Tempo fortsetzt, könnte er 2027 zum größten Herausforderer Carlsens werden.
🥉 Arjun Erigaisi
Größter Vorteil: außergewöhnliche taktische Stärke.
Arjun hat bereits gezeigt, dass er Carlsen auf spektakuläre Weise besiegen kann. Nun muss er aus einzelnen Glanzleistungen konstante Ergebnisse über die gesamte Saison machen.
2027 könnte die Schachwelt verändern
Noch vor wenigen Jahren wirkte die Frage, wer Carlsen herausfordern könnte, beinahe rhetorisch.
Heute ist die Situation eine andere.
Die neue Generation klopft bereits an die Tür der Weltelite.
Praggnanandhaa gewinnt große Turniere. Sindarov kämpft um den Weltmeistertitel. Erigaisi kann Carlsen in einer spektakulären taktischen Partie besiegen. Und Gukesh hat bereits die Schachkrone erobert.
Damit geht die Ära eines nahezu unangefochtenen Spitzenreiters langsam in eine Zeit über, in der mehrere Schach-Superstars um die Vorherrschaft kämpfen.
Wer wird also Carlsens größter Rivale?
Wenn man sich heute für einen Spieler entscheiden müsste, ist Praggnanandhaa der überzeugendste Kandidat.
Seine Ergebnisse im Jahr 2026 sprechen für sich: Sieg bei Norway Chess, anschließend der Titel der Grand Chess Tour und eine beeindruckende Fähigkeit, unter enormem Druck entscheidende Partien zu gewinnen.
Doch Sindarov ist nicht weit entfernt.
Sollte er Weltmeister werden, würde sich sein Status in der internationalen Schachhierarchie drastisch verändern. Und Erigaisi besitzt ebenfalls die Fähigkeit, jederzeit in diesen Kampf einzugreifen – insbesondere wenn es ihm gelingt, die notwendige Konstanz zu entwickeln.
Die wichtigste Frage für 2027 lautet daher nicht mehr, ob Magnus Carlsen geschlagen werden kann.
Die Antwort kennen wir bereits: Ja.
Die eigentliche Spannung liegt in einer anderen Frage:
Wer wird der Erste sein, der aus einzelnen Siegen gegen den Norweger eine echte Herausforderung um die Vorherrschaft im Weltschach macht?
Wenn man die Ereignisse des Jahres 2026 betrachtet, müssen wir auf die Antwort möglicherweise nicht mehr lange warten.