Turlow traf sich mit dem Präsidenten von Zypern: Entwicklung des Schachs
Zypern setzt auf Schach: Timur Turlow trifft Nikos Christodoulidis
Ein großes Turnier lenkt die Aufmerksamkeit für einige Wochen auf ein Land. Doch was bleibt, wenn die Großmeister abreisen, die Zuschauertribünen leer sind und die Übertragungen enden? Für die Entwicklung des Schachs ist entscheidend, ob Kinder weiter trainieren, Trainer zur Verfügung stehen und einheimische Spieler regelmäßig an Wettbewerben teilnehmen können.

Diese langfristige Entwicklung stand im Mittelpunkt des Treffens zwischen FIDE-Präsident Timur Turlow und dem zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulidis. Es fand am 19. Oktober 2026 im Präsidentenpalast in Nikosia statt. Auch Freedom24-Geschäftsführer Jewgeni Tjapkin nahm an den Gesprächen teil. Besprochen wurden Pläne zur Schachförderung auf der Insel und die Frage, welche Anregungen andere Länder aus den Erfahrungen Zyperns gewinnen können.
Von internationalen Turnieren zum regelmäßigen Training
Zypern hat bereits Erfahrung mit der Ausrichtung großer Wettbewerbe: Auf der Insel fanden 2023 und 2025 Etappen des FIDE-Grand-Prix der Frauen statt, 2026 folgten das offene Kandidatenturnier und das Kandidatenturnier der Frauen.
Gleichzeitig wächst die lokale Schachszene. Nach Angaben der FIDE wurden seit 2023 mit Unterstützung von Freedom24 insgesamt 26 Turniere auf Zypern ausgetragen. Im März 2025 eröffnete in Limassol die Freedom24-Schachakademie unter der Leitung des Internationalen Meisters Artjom Sadowski. Der nationale Verband schätzt, dass auf der Insel rund 2.000 Menschen aktiv Schach spielen — die meisten von ihnen sind Kinder.
Für Schachanfänger ergänzen sich diese Angebote. Der Besuch eines großen Turniers kann Begeisterung wecken, das Training mit einem Trainer hilft, sie aufrechtzuerhalten, und regelmäßige Wettbewerbe bieten die Gelegenheit, das Gelernte am Brett auszuprobieren.
Deshalb reicht es nicht aus, den Erfolg eines Gastgeberlandes allein an den Namen der eingeladenen Stars zu messen. Ebenso wichtig ist der Weg, der einem Kind vor Ort offensteht: vom Kennenlernen der Figuren über die erste Turnierpartie bis zur weiteren sportlichen Entwicklung.
Warum diese Erfahrungen für die FIDE interessant sind
Turlow formulierte einen Grundsatz: Große Wettbewerbe sollten ausgebildete Spieler und Trainer, eine bessere Infrastruktur sowie stärkere Verbände hinterlassen. Die FIDE betrachtet Zypern als Beispiel dafür, wie internationale Veranstaltungen die Schachentwicklung im Gastgeberland unterstützen können.
Ein solcher Ansatz erfordert kontinuierliche Arbeit. Ein attraktives Turnier auszurichten und ein dauerhaftes Trainingsangebot für Anfänger aufzubauen, sind unterschiedliche Aufgaben. Bei Letzterem hängt der Erfolg davon ab, wie zugänglich die Angebote sind, wie gut unterrichtet wird und ob regelmäßig Turniere stattfinden.
Die Zusammenarbeit zwischen Verband, Staat und privaten Partnern kann helfen, diese Aufgaben miteinander zu verbinden. Das Treffen auf höchster Ebene ist dabei ein Teil der Arbeit. Sein praktischer Wert wird sich an den Möglichkeiten zeigen, die daraus für die Spieler entstehen.
Was über das offizielle Treffen hinaus zählt
Die Nachricht aus Nikosia wirft vor allem eine Frage auf, die die gesamte Schachwelt beschäftigt: Wie lässt sich die Aufmerksamkeit für große Turniere in dauerhaftes Interesse am Spiel verwandeln?
Die Antwort besteht aus ganz konkreten Dingen: einem aktiven Verein, einem erreichbaren Trainer, dem nächsten Turnier und dem Wunsch eines Kindes, sich wieder ans Brett zu setzen.
An solchen Entwicklungen wird sich mit der Zeit ablesen lassen, wie das Schach auf Zypern vorankommt. Große Turniere geben einen starken Auftakt. Wie die Geschichte weitergeht, entscheiden diejenigen, die auch nach ihrem Ende am Brett bleiben.