Goryachkina holte in der 4. Runde des Kandidatenturniers einen halben Punkt.

Goryachkina spielte in der vierten Runde des Kandidatinnenturniers remis. Ein halber Punkt, der sie in Schlagdistanz zur Spitze hielt

Bei Turnieren dieser Art ist ein Remis fast nie einfach nur ein Remis. Manchmal ist es ein ruhiges Ergebnis, das die Position in der Tabelle sichert. Und manchmal ist es eine Partie, nach der das Gefühl bleibt, dass der Kampf in beide Richtungen hätte kippen können. Genau so war es in der Begegnung der vierten Runde zwischen Aleksandra Goryachkina und Vaishali Rameshbabu beim FIDE-Kandidatinnenturnier 2026: Die Partie endete remis, und laut den Rundenberichten gelang es der indischen Spielerin, sich aus einer schwierigeren Stellung zu retten.

Aleksandra Goryachkina denkt konzentriert über ihren nächsten Zug am Schachbrett nach, im Hintergrund Fahnen und die angespannte Atmosphäre eines internationalen Turniers.

Die vierte Runde wurde für Goryachkina zu einer Geduldsprobe

In der vierten Runde spielte Goryachkina mit den schwarzen Steinen gegen Vaishali Rameshbabu. Es war nicht nur an sich ein wichtiger Tag, sondern auch im Turnierverlauf: Nach den ersten drei Runden begann sich die Tabelle im Frauenturnier gerade erst zu sortieren, und jeder Sieg konnte eine Spielerin deutlich näher an die Spitze bringen.

Gerade deshalb wirkt dieses Remis zwiespältig.
Einerseits verlor Goryachkina nicht und blieb in der dicht gedrängten Verfolgergruppe. Andererseits wurde in den Rundenberichten ausdrücklich erwähnt, dass Vaishali sich aus einer schwierigen Stellung rettete — und das bedeutet, dass die russische Großmeisterin erneut guten Grund hatte, auf mehr als nur einen halben Punkt zu hoffen.

Das war kein bedeutungsloser halber Punkt

In einem kurzen Nachrichtenformat lässt sich das Ergebnis nüchtern beschreiben: Goryachkina spielte in der vierten Runde remis. Doch im Kandidatinnenturnier zählt nicht nur das Ergebnis selbst, sondern auch, wie es zustande kam. Wenn eine Gegnerin sich „rettet“, bedeutet das, dass die Partie für sie in eine unangenehme Richtung lief und die Initiative zwischenzeitlich auf der anderen Seite lag. Genau diesen Unterton trägt auch dieses Remis.

Für Goryachkina ist das nicht die erste Partie zu Beginn des Turniers, nach der ein leichtes Gefühl der Unvollständigkeit bleibt. Schon in der dritten Runde war sie nahe an mehr dran, konnte aber gegen Divya Deshmukh nicht vollenden. Die vierte Runde verstärkte diesen Eindruck nur: Nach der Qualität ihres Spiels wirkt Aleksandra absolut konkurrenzfähig, aber die Tabelle spiegelt die Zahl der von ihr herausgespielten Chancen bislang noch nicht vollständig wider.

Was dieses Remis für die Tabelle bedeutet

Die vierte Runde war für das Frauenturnier insgesamt sehr wichtig. Anna Musychuk besiegte Kateryna Lagno und schloss zu Bibisara Assaubajewa auf, die ihre Partie gegen Tan Zhongyi remis spielte. Einen weiteren Sieg holte Zhu Jiner, die Divya Deshmukh schlug. Vor diesem Hintergrund erlaubte Goryachkinas Remis ihr gerade an dem Tag keinen Sprung nach vorn, an dem sich die Spitzengruppe erneut veränderte.

Genau darin liegt die zentrale Zwiespältigkeit dieses Ergebnisses.
Ein halber Punkt allein ruiniert noch kein Turnier. Bis zum Ziel ist es noch weit, und schon ein Sieg kann das Bild schnell verändern. Aber wenn die Führenden punkten und du selbst erneut nur teilst, obwohl die Gegnerin unter Druck stand, entsteht ganz natürlich das Gefühl einer verpassten Chance. Es ist kein Rückschlag, aber eben auch nicht die Art von Tag, die einen spürbar beschleunigt.

Warum das für Goryachkina trotzdem kein schlechtes Zeichen ist

Trotzdem spricht Goryachkinas Spiel zu Beginn des Turniers für sie. Schon vor dem Start stellte FIDE sie als eine der erfahrensten und gefährlichsten Teilnehmerinnen des Zyklus vor, und die ersten Runden haben gezeigt, dass sie ihren Gegnerinnen tatsächlich schwierige praktische Aufgaben stellt. Das Problem liegt bislang nicht in der Qualität ihrer Chancen, sondern darin, dass sie diese Chancen noch nicht in ganze Punkte ummünzen konnte.

In einem langen doppelrundigen Turnier ist das ein entscheidender Unterschied.
Viel schlimmer wäre es, passiv zu wirken und gar nicht erst ins Spiel zu kommen. Bei Goryachkina ist die Lage anders: Sie bleibt im Rennen, hält die Spannung in ihren Partien aufrecht und zwingt ihre Gegnerinnen zur Verteidigung. Das heißt, das Potenzial für einen Aufstieg in der Tabelle ist weiterhin da. Es braucht nur eine dieser zähen Partien, die diesmal nicht mit einer Rettung der Gegnerin endet, sondern mit einem vollen Punkt für sie.

Fazit

Aleksandra Goryachkinas Remis in der vierten Runde des Kandidatinnenturniers ist ein Ergebnis ohne dramatischen Schlusspunkt, aber mit einem sehr klaren Subtext. Sie blieb im Rennen, vermied eine Niederlage und stellte ihre Gegnerin erneut vor große Probleme. Gleichzeitig bleibt aber wieder das Gefühl, dass aus dieser Partie mehr herauszuholen gewesen wäre.

Über die lange Distanz entscheiden solche Tage nicht immer ein ganzes Turnier. Manchmal bauen sie nur Spannung für den Moment auf, in dem eine Spielerin schließlich durchbricht. Für Goryachkina sieht die vierte Runde genau danach aus: nicht wie ein Schritt zurück, sondern wie eine weitere Erinnerung daran, dass sie mitten im Kampf steht — und dass ein einziger präziser Schlag reichen könnte, um sie wieder ins Zentrum des Kandidatinnenrennens zu bringen.

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