Gligorić-Trophäe 2026: FIDE gibt Nominierungen bekannt
Gligoric Trophy 2026: Nominierungsaufruf gestartet
Im Schach geht es beim Sieg nicht nur um das Ergebnis auf der Anzeigetafel. Manchmal ist viel entscheidender, wie sich ein Mensch am Brett, gegenüber seinem Gegner und gegenüber dem Spiel selbst verhält. Genau diesem Aspekt des Schachs ist die Svetozar-Gligoric-Trophäe gewidmet – eine der symbolträchtigsten Auszeichnungen der FIDE.
Am 11. August 2026 hat die FIDE die Nominierungen für die Svetozar Gligoric Trophy 2026 eröffnet. Die Auszeichnung würdigt eine Person, deren Verhalten und Handlungen den wahren Geist des Fair Play, der sportlichen Fairness und des Respekts gegenüber den Gegnern verkörpern.
Eine Auszeichnung, die nicht von Elo-Zahl oder Siegen abhängt
Die Gligoric Trophy nimmt unter den Schachauszeichnungen eine besondere Stellung ein. Die Elo-Zahl eines Spielers, die Anzahl seiner Turniersiege oder seine allgemeinen sportlichen Erfolge sind hier nicht die entscheidenden Kriterien.
Im Mittelpunkt stehen herausragende sportliche Fairness und ein bedeutender Beitrag zur Förderung der Fair-Play-Kultur im Schach.
Für die Auszeichnung 2026 werden Leistungen berücksichtigt, die zwischen September 2024 und September 2026 erbracht wurden. Die FIDE nennt mehrere Bereiche, in denen ein Kandidat nominiert werden kann:
* eine herausragende Geste oder Handlung, die während eines Wettbewerbs sportliche Fairness bewiesen hat;
* ein bedeutender Beitrag zur Förderung der Werte und Prinzipien des Fair Play;
* Initiativen zur Stärkung von sportlicher Integrität, Ehrlichkeit und hohen ethischen Standards.
Es handelt sich also nicht um eine Auszeichnung für eine gesamte Schachkarriere. Die FIDE betont ausdrücklich, dass die Handlungen des Kandidaten innerhalb des festgelegten Zweijahreszeitraums berücksichtigt werden.
Was bedeutet echtes Fair Play?
Die Trophäe ist nach Svetozar Gligoric benannt, einem der stärksten Schachspieler seiner Generation, der von seinen Zeitgenossen besonders für seine Fairness und seinen Respekt gegenüber seinen Gegnern geschätzt wurde.
Sein berühmtes Prinzip lässt sich sehr einfach zusammenfassen: Am Schachbrett spielt man gegen die Figuren – nicht gegen den Menschen, der einem gegenübersitzt.
Diese Philosophie bildet das Herzstück der Auszeichnung.
Die FIDE verbindet die Gligoric Trophy mit mehreren wichtigen Werten: Fairness, Respekt, Freundschaft, Teamgeist, Gleichheit, Toleranz und Rücksichtnahme gegenüber anderen Mitgliedern der Schachgemeinschaft.
Darin steckt eine wichtige Botschaft. Schach lebt vom Wettbewerb, aber Wettbewerb darf den Respekt niemals verdrängen. Ein Spieler kann bis zur letzten Sekunde um den Sieg kämpfen und gleichzeitig dem Menschen auf der anderen Seite des Brettes mit Würde und Respekt begegnen.
Wer kann nominiert werden?
Nominierungen können von kontinentalen und nationalen Schachverbänden sowie von FIDE-Kommissionen eingereicht werden.
Die Möglichkeit einer Nominierung ist jedoch nicht ausschließlich Organisationen vorbehalten. Auch Einzelpersonen können Kandidaten vorschlagen und sich selbst nominieren, wobei die Einreichung über den Schachverband erfolgen muss, dem der nominierte Kandidat zugeordnet ist.
Dadurch bleibt der Wettbewerb relativ offen. Der spätere Preisträger muss keineswegs ein berühmter Großmeister sein. Es kann auch jemand ausgezeichnet werden, dessen konkrete Handlung einen bedeutenden Einfluss auf die Schachgemeinschaft hatte.
Genau das macht die Gligoric Trophy besonders interessant. In gewisser Weise dokumentiert sie die ethische Seite des Schachs und erinnert daran, dass einige der wichtigsten Momente des Spiels niemals in einer Turniertabelle auftauchen.
Nominierungen bis zum 10. September möglich
Die Organisatoren haben eine klare Frist für die Einreichung festgelegt. Nominierungsschreiben müssen spätestens am 10. September 2026 an die Gligoric-Trophy-Kommission unter [email protected] gesendet werden.
Nach Ablauf der Nominierungsfrist wird eine spezielle FIDE-Kommission den Gewinner auswählen.
Und genau hier beginnt die eigentliche Spannung. Entscheidend ist nicht unbedingt, welcher Kandidat der bekannteste ist, sondern wessen Handlungen den Geist des Schachs unabhängig vom sportlichen Status am besten verkörpern.
Warum ist diese Auszeichnung heute besonders wichtig?
Das moderne Schach wird zunehmend professioneller. Elo-Zahlen, Preisgelder, Computer-Vorbereitung, Spieltempo und der Kampf um jeden einzelnen Punkt sind enorm wichtig geworden.
Doch je höher das Niveau des Wettbewerbs steigt, desto wichtiger wird es, sich an eine andere Seite des Schachs zu erinnern.
Ein Spieler kann eine Partie verlieren und trotzdem seine Würde bewahren. Er kann auf einen zweifelhaften Vorteil verzichten. Er kann einen Gegner nach einem schweren Fehler unterstützen. Er kann sich gegen unsportliches Verhalten aussprechen oder eine Entscheidung treffen, bei der Ehrlichkeit über den unmittelbaren sportlichen Vorteil gestellt wird.
Solche Momente verändern nur selten die Tabellenstände. Aber sie prägen die Wahrnehmung des Schachs als Sport.
Und genau darin liegt der wahre Wert der Gligoric Trophy.
Wer erhält die Gligoric Trophy 2026?
Noch ist die Antwort offen. Das Nominierungsverfahren hat gerade erst begonnen, und die Schachgemeinschaft hat bis zum 10. September Zeit, ihre Kandidaten vorzuschlagen.
Die Verleihung der Auszeichnung findet während der 46. FIDE-Schacholympiade in Samarkand, Usbekistan, statt, die zu den wichtigsten Schachereignissen des Herbstes 2026 gehören wird.
Vielleicht wird die Schachwelt dort den Namen einer Person erfahren, die erneut eine einfache, aber wichtige Idee unter Beweis stellt: Die Stärke eines Schachspielers zeigt sich nicht nur darin, wie gut er gewinnen kann, sondern auch darin, wie ehrenvoll er spielt.
Die Svetozar-Gligoric-Trophäe ist keine Auszeichnung für eine brillante Kombination und keine Belohnung für eine hohe Elo-Zahl. Sie ist eine Anerkennung für eine Handlung.
Und manchmal sagt eine einzige ehrliche Geste über einen Menschen mehr aus als Hunderte gewonnene Partien.