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FIDE weist Beschwerde der Ukraine gegen Kolobkows Teilnahme an der Wahl zurück

FIDE weist Beschwerde des Ukrainischen Schachverbands gegen die Kandidatur des ehemaligen russischen Sportministers Kolobkow zurück

Die bevorstehenden Wahlen des Weltschachverbands (FIDE) haben eine neue Wendung genommen. Die Wahlkommission der Organisation hat eine Beschwerde des Ukrainischen Schachverbands zurückgewiesen, mit der die Kandidatur von Pawel Kolobkow für das Amt des FIDE-Vizepräsidenten angefochten worden war. Kolobkow ist ehemaliger russischer Sportminister und Olympiasieger im Fechten.

Damit bleibt Kolobkows Kandidatur gültig und er kann seinen Wahlkampf fortsetzen. Die Entscheidung fiel kurz vor der FIDE-Generalversammlung, die in Samarkand stattfinden wird.

Ukraine stellte Kolobkows Kandidatur infrage

Die offizielle Beschwerde wurde am 2. September eingereicht. Zu den Antragstellern gehörten der Präsident des Ukrainischen Schachverbands Oleksandr Kamyschin sowie die FIDE-Vizepräsidentschaftskandidaten Georgios Mastrokykos und David Llada.

Die Antragsteller stellten Kolobkows Berechtigung infrage, für ein gewähltes Amt innerhalb der FIDE zu kandidieren. Dabei wurde insbesondere auch sein Status als Vertreter Russlands thematisiert.

Kolobkow reichte am 9. September seine Stellungnahme bei der Wahlkommission ein. Er argumentierte, dass seine Kandidatur gemäß den FIDE-Regularien von den Schachverbänden von Belarus, Kuba und Tadschikistan nominiert worden sei.

Nun hat die Wahlkommission ihre endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen.

Warum die FIDE keinen Grund für einen Ausschluss Kolobkows sah

Der entscheidende Punkt in der Entscheidung der Kommission war das Fehlen persönlicher Sanktionen gegen Kolobkow seitens der FIDE.

Die Wahlkommission stellte fest, dass der ehemalige russische Sportminister niemals Sanktionen unterlegen habe, die ihn daran hindern würden, ein Amt innerhalb der FIDE auszuüben, seine Tätigkeit zu untersagen oder ihn wegen Verstößen gegen die ethischen oder disziplinarischen Regeln der Organisation zu suspendieren.

Die Kommission verwies zudem ausdrücklich auf die FIDE-Statuten. Nach Artikel 16.9 üben Personen, die in FIDE-Gremien gewählt oder für diese nominiert werden, ihre Funktionen in persönlicher Eigenschaft aus. Sie müssen ausschließlich im Interesse der FIDE handeln und dürfen keinem unzulässigen Einfluss durch Dritte, nationale Verbände oder kontinentale Organisationen unterliegen.

Aus diesem Grund wurde die Zugehörigkeit eines Kandidaten zum russischen Schachverband allein nicht als ausreichender Grund angesehen, ihm die Teilnahme an der Wahl zu untersagen.

Kolobkow stand bereits auf der Liste der zugelassenen Kandidaten

Wichtig ist, dass die Beschwerde nicht die erste Prüfung von Kolobkows Kandidatur darstellte.

Bereits am 30. August veröffentlichte die FIDE-Wahlkommission die Liste der zugelassenen Kandidaten für die vier zu wählenden Vizepräsidentenämter. Auch Pawel Kolobkow war als Vertreter Russlands auf dieser Liste aufgeführt.

Insgesamt wurden 18 Kandidaten für die vier Positionen zugelassen. Damit dürfte der Wettbewerb um die Vizepräsidentschaften äußerst intensiv werden.

Die ukrainische Seite versuchte mit ihrer Beschwerde, eine bereits von der Kommission getroffene Entscheidung anzufechten. Die FIDE sah jedoch keinen ausreichenden Grund, Kolobkow von der Kandidatenliste zu streichen.

Wer ist Pawel Kolobkow?

Pawel Kolobkow ist ein russischer Sportler und Staatsfunktionär. Er ist Olympiasieger im Fechten und vertrat Russland während seiner aktiven Karriere bei bedeutenden internationalen Wettbewerben.

Von 2016 bis 2020 war Kolobkow Sportminister Russlands.

Seine Teilnahme an der FIDE-Wahl hat daher nicht nur eine sportliche, sondern auch eine politische und organisatorische Dimension – insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussionen über den Status russischer Vertreter im internationalen Sport.

In diesem konkreten Fall konzentrierte sich die FIDE-Wahlkommission jedoch vor allem auf die Frage, ob der Kandidat die festgelegten Anforderungen der Organisation erfüllt und ob gegen ihn persönliche disziplinarische Einschränkungen bestehen.

Russischer Schachverband bleibt ohne Stimmrecht

Die Entscheidung über Kolobkows Kandidatur bedeutet nicht, dass der Russische Schachverband im Rahmen der bevorstehenden FIDE-Wahlen seine vollständigen Rechte zurückerhalten hat.

Nach den veröffentlichten Unterlagen wird Russland bei den FIDE-Wahlen kein Stimmrecht haben. Gleichzeitig darf Kolobkow als Kandidat antreten, da die Kommission keinen Grund für individuelle Einschränkungen gegen ihn festgestellt hat.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Die Teilnahme eines einzelnen Kandidaten an einer Wahl und das Stimmrecht eines nationalen Schachverbands sind zwei unterschiedliche Fragen.

Genau auf dieser Unterscheidung basiert zu einem wesentlichen Teil die Position der FIDE-Wahlkommission.

Die entscheidende Etappe: die Generalversammlung in Samarkand

Die Frage nach Kolobkows Teilnahme an der Wahl kann nun als geklärt betrachtet werden. Als Nächstes steht die eigentliche Abstimmung an.

Die FIDE-Präsidentschaftswahl findet am 26. September 2026 im Rahmen der Generalversammlung der Organisation in Samarkand statt. Jede auf der Generalversammlung vertretene FIDE-Mitgliedsföderation wird über ein Stimmrecht verfügen.

Gleichzeitig werden auch die neuen FIDE-Vizepräsidenten gewählt. Die Entscheidung der Kommission beseitigt damit die Unsicherheit um einen der Kandidaten und ermöglicht Kolobkow, seinen Wahlkampf fortzusetzen.

Was bedeutet die Entscheidung der FIDE?

Der Streit um die Beschwerde zeigt, wie komplex die Wahlen zu den Führungsgremien der FIDE vor dem Hintergrund der aktuellen internationalen Situation geworden sind.

Einerseits ist der Russische Schachverband mit Einschränkungen konfrontiert und wird nicht an der Abstimmung teilnehmen. Andererseits hat die FIDE diese Einschränkungen nicht automatisch auf einen einzelnen russischen Kandidaten übertragen, gegen den keine persönlichen disziplinarischen Sanktionen verhängt wurden.

Damit unterscheidet die Kommission zwischen Sanktionen gegen einen Verband und der individuellen Berechtigung einer Person, ein gewähltes Amt zu übernehmen.

Für Kolobkow bedeutet dies, dass er weiterhin um das Amt des FIDE-Vizepräsidenten kandidieren darf. Für seine Konkurrenten bedeutet die Entscheidung, dass diese Frage nun direkt bei der Wahl und nicht mehr durch den Ausschluss des Kandidaten von der Wahlliste entschieden werden muss.

FIDE-Wahlen gehen in die entscheidende Phase

Bis zur Generalversammlung bleibt nur noch wenig Zeit. Damit dürfte die Spannung rund um die zukünftige Führung der FIDE weiter zunehmen.

Die Entscheidung der Wahlkommission stellt einen wichtigen Punkt im Wahlkampf dar: Die Beschwerde des Ukrainischen Schachverbands wurde zurückgewiesen, die Kandidatur von Pawel Kolobkow bestätigt und das letzte Wort haben nun die Delegierten der Generalversammlung.

Samarkand wird Ende September zum Schauplatz, an dem nicht nur die künftige politische Balance innerhalb der FIDE, sondern auch die Zusammensetzung ihrer Führungsgremien für die kommende Amtsperiode bestimmt wird. Kolobkows Teilnahme an diesem Rennen ist nun offiziell bestätigt.