Die FIDE hält die Suspendierung des Russischen Schachverbands aufrecht
FIDE hält Suspendierung des Russischen Schachverbands aufrecht
Die Generalversammlung des Internationalen Schachverbands (FIDE) findet weiterhin in Samarkand statt. Eines der sensibelsten Themen auf der Tagesordnung war der Status des Russischen Schachverbands. Die Delegierten befassten sich mit einem Antrag auf Wiederherstellung der Mitgliedschaft des Verbands, doch der Vorschlag erhielt nicht die erforderliche Unterstützung. Damit bleibt die Suspendierung des Russischen Schachverbands bestehen.
Was hat die Generalversammlung beschlossen?
Die FIDE-Generalversammlung lehnte den Antrag auf Wiederherstellung der Mitgliedschaft des Russischen Schachverbands ab und bestätigte die bestehenden Einschränkungen. Nach Berichten russischer und internationaler Medien unterstützten die Schachverbände von Belarus, Armenien, Kuba und Nicaragua eine Aufhebung der Suspendierung. Die erforderliche Mehrheit kam jedoch nicht zustande.
Damit bleibt der Status des Russischen Schachverbands innerhalb der FIDE unverändert: Seine Mitgliedschaft ist weiterhin suspendiert.
Die Entscheidung fiel im Rahmen der großen FIDE-Generalversammlung in Samarkand, die parallel zur 46. Schacholympiade stattfindet. Im gleichen Zeitraum wurde auch ein neuer FIDE-Präsident gewählt – der Kasache Timur Turlov.
Warum wurde der Russische Schachverband suspendiert?
Die aktuelle Situation steht nicht unmittelbar mit dem Status einzelner russischer Schachspieler in Verbindung, sondern mit der Umsetzung einer Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) durch den Russischen Schachverband.
Am 11. Juni 2026 suspendierte die FIDE die Mitgliedschaft des Russischen Schachverbands vorübergehend. Als Begründung erklärte sie, dass der Verband die Vorgaben aus der CAS-Entscheidung nicht innerhalb der festgelegten Frist erfüllt habe. Dabei ging es um die Beendigung der Zuständigkeit des Russischen Schachverbands für die Regulierung des Schachbetriebs und die Durchführung von Veranstaltungen auf der Krim, in Sewastopol sowie in den Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson.
Dies wurde zu einer wichtigen rechtlichen Grundlage für spätere Entscheidungen der FIDE. Im August bestätigte der FIDE-Rat außerdem, dass die Teilnahme an der Schacholympiade 2026 nur für Verbände möglich sei, deren Mitgliedschaft gültig und gemäß den FIDE-Statuten nicht suspendiert ist.
Die Suspendierung des Verbands ist nicht gleichbedeutend mit einem Verbot für alle russischen Schachspieler
Hier müssen zwei Fragen voneinander unterschieden werden.
Die Suspendierung des Russischen Schachverbands betrifft in erster Linie den nationalen Verband selbst und seinen Status innerhalb der FIDE. Sie bedeutet nicht automatisch, dass jeder russische Schachspieler von der Teilnahme an allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen ist.
In den vergangenen Jahren hat die FIDE separate Entscheidungen zur Teilnahme russischer und belarussischer Spieler und Mannschaften getroffen. So verabschiedete die Generalversammlung im Dezember 2025 zwei Resolutionen, die sich mit der Teilnahme von Mannschaften und dem Status nationaler Symbole befassten. Die FIDE teilte mit, dass Mannschaften aus Russland und Belarus an offiziellen Wettbewerben teilnehmen dürfen, wobei für Erwachsenenteams weiterhin bestimmte Einschränkungen bei der Verwendung nationaler Symbole gelten.
Daher sollte die aktuelle Entscheidung der Generalversammlung insbesondere im Zusammenhang mit dem Status des Russischen Schachverbands als nationalem Verband betrachtet werden.
Was sagte der neue FIDE-Präsident?
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema auch im Zusammenhang mit der Wahl des neuen FIDE-Präsidenten. Am 26. September wurde Timur Turlov zum Präsidenten der Organisation gewählt. Vor der Wahl erklärte er, dass er sich für eine Annäherung innerhalb der Schachgemeinschaft einsetzen und Möglichkeiten für einen Dialog zwischen den verschiedenen Seiten suchen wolle.
Auf die Frage nach der Zukunft des Russischen Schachverbands betonte Turlov, dass die Frage „in vollständiger Übereinstimmung mit dem internationalen Recht“ behandelt werde.
Nach dem Wechsel an der Spitze der FIDE bestätigte die Generalversammlung jedoch den bisherigen Status des russischen Verbands. Die Wahl eines neuen FIDE-Präsidenten führte somit nicht automatisch zur Wiederherstellung der Mitgliedschaft des Russischen Schachverbands.
Was bedeutet die Entscheidung für die russische Schachgemeinschaft?
Die Entscheidung in Samarkand hält die bestehende Situation aufrecht und schließt eine spätere rechtliche Neubewertung der Frage nicht aus.
Ein entscheidender Faktor bleibt die Erfüllung der Bedingungen im Zusammenhang mit der CAS-Entscheidung und den Anforderungen der FIDE. Auch Turlov hatte zuvor die Grundlage des internationalen Rechts als maßgeblich für die weitere Behandlung des Themas bezeichnet.
Gleichzeitig bleiben russische Schachspieler Teil des internationalen Schachsystems, soweit dies nach den geltenden FIDE-Regeln zulässig ist. Der Status des nationalen Verbands und die individuellen Rechte der Sportler müssen daher getrennt betrachtet werden.
Die Frage bleibt offen
Die Abstimmung der Generalversammlung in Samarkand stellt keinen endgültigen Schlusspunkt in den Beziehungen zwischen der FIDE und dem Russischen Schachverband dar. Sie bestätigt vielmehr den aktuellen Status: Die Mitgliedschaft des russischen Verbands bleibt suspendiert.
Vieles wird nun von den weiteren rechtlichen und organisatorischen Entwicklungen abhängen. Die neue FIDE-Führung muss Entscheidungen internationaler Sportinstitutionen berücksichtigen und zugleich nach Wegen suchen, den Schachsport als gemeinsame internationale Plattform weiterzuentwickeln.
Für den Russischen Schachverband bedeutet dies, seine Arbeit unter den bestehenden Bedingungen der Suspendierung fortzusetzen. Für die FIDE bleibt die Frage damit eines der sichtbarsten und umstrittensten Themen im internationalen Schach und bedarf weiterer Klärung.