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Wichtige Beschlüsse der FIDE-Generalversammlung 2026

Die wichtigsten Beschlüsse der FIDE-Generalversammlung 2026

Am 26. und 27. September 2026 fand in Samarkand eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres im internationalen Schach statt – die Generalversammlung des Weltschachverbands FIDE. Sie wurde parallel zur 46. Schacholympiade und zum FIDE-Kongress abgehalten.

Auf der Tagesordnung standen weit mehr als nur die Wahl einer neuen Führung. Die Delegierten befassten sich mit der Mitgliedschaft von Schachverbänden, Änderungen der Regularien, der Finanzplanung, den künftigen Schacholympiaden und der Weiterentwicklung des Wertungssystems. Einige der in Samarkand getroffenen Entscheidungen könnten den internationalen Schachsport noch über Jahre hinweg beeinflussen.

Neue Führung der FIDE

Das wichtigste Ereignis der Generalversammlung war die Wahl des neuen Präsidenten. Timur Turlov wurde zum neuen FIDE-Präsidenten gewählt. In der zweiten Runde setzte er sich mit 110 Stimmen zu 85 gegen Vadim Rosenstein durch.

Zum Deputy President, also stellvertretenden Präsidenten, wurde der legendäre indische Großmeister und frühere Weltmeister Viswanathan Anand gewählt.

Die Generalversammlung bestätigte außerdem neue Vizepräsidenten, den Schatzmeister sowie weitere Mitglieder der FIDE-Führungsgremien. Zu den gewählten Vizepräsidenten gehören Yuhua Xu, Michael Khodarkovsky, Pavel Kolobkov und Yassin Suleiman Hassan. Luigi Maggi wurde zum Schatzmeister gewählt.

Damit war die Versammlung in Samarkand weit mehr als eine reguläre Sitzung der FIDE. Sie markierte praktisch den Beginn einer neuen Führungsperiode des Weltschachverbands.

Russischer Schachverband bleibt suspendiert

Zu den am aufmerksamsten verfolgten Fragen gehörte der Status des Russischen Schachverbands.

Armenien, Belarus, Kuba und Nicaragua hatten Vorschläge zur Wiederherstellung der Mitgliedschaft des russischen Verbands eingebracht. Der Antrag auf Aufhebung der Suspendierung wurde jedoch nicht angenommen.

Die Frage steht im Zusammenhang mit einer Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) und den darin festgelegten Anforderungen an den Russischen Schachverband, bestimmte Aktivitäten in Gebieten unter russischer Besetzung einzustellen und die entsprechenden Bedingungen der Gerichtsentscheidung zu erfüllen.

Gleichzeitig ist es wichtig, zwischen dem Status eines nationalen Schachverbands und dem Status einzelner Spieler zu unterscheiden. Die Suspendierung eines Verbands bedeutet nicht automatisch, dass alle russischen Schachspieler von jeder Teilnahme an FIDE-Wettbewerben ausgeschlossen sind.

Chess960 erhält eine offizielle FIDE-Wertung

Eine der wichtigsten sportlichen Entscheidungen war die Einführung eines Wertungssystems für Chess960, auch Fischer-Random-Schach genannt.

Die FIDE beschloss, bis spätestens 1. Juni 2027 ein offizielles Wertungssystem für Chess960 zu entwickeln und einzuführen. Der entsprechende Antrag wurde gemeinsam von den Schachverbänden Deutschlands, Islands, Norwegens, Irlands und der Färöer-Inseln eingebracht.

Die Entscheidung könnte den Stellenwert von Chess960 im internationalen Schach deutlich stärken. Die Variante hat sich bereits stark entwickelt und zahlreiche große Turniere hervorgebracht, verfügte bislang jedoch über keine vollständige offizielle FIDE-Wertungsinfrastruktur.

Chess960 erhält damit eine deutlich engere Verbindung zum offiziellen Wettbewerbs- und Statistiksystem der FIDE.

FIDE führt eine zweisprachige offizielle Bezeichnung ein

Die Generalversammlung verabschiedete außerdem eine Änderung der FIDE-Statuten zur offiziellen institutionellen Bezeichnung des Verbands.

Wenn der vollständige Name zusammen mit dem FIDE-Kürzel, dem Emblem, der Flagge oder dem Siegel verwendet wird, sollen künftig sowohl die englische als auch die französische Bezeichnung verwendet werden:

International Chess Federation / Fédération Internationale des Échecs.

Englisch bleibt jedoch weiterhin eine offizielle und Arbeitssprache der FIDE. Die neue Regelung bedeutet nicht, dass sämtliche FIDE-Dokumente, Beschlüsse, Nachrichten und sonstigen Materialien künftig ins Französische übersetzt werden müssen.

Katar erhält Priorität für die Schacholympiade 2030

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Austragung der Schacholympiade 2030.

Die Generalversammlung nahm zur Kenntnis, dass sowohl die Qatar Chess Association als auch der Georgische Schachverband bereit sind, die Schacholympiade 2030, die Schacholympiade für Menschen mit Behinderungen sowie den FIDE-Kongress auszurichten.

Katar erhielt dabei die erste Priorität für weitere Verhandlungen. Die FIDE soll mit der katarischen Seite verhandeln und – sofern die erforderlichen organisatorischen und finanziellen Garantien vorliegen – den entsprechenden Vertrag abschließen.

Sollten die notwendigen Garantien nicht vorgelegt oder innerhalb einer angemessenen Frist keine Vereinbarung unterzeichnet werden, würde die Möglichkeit zur Austragung an Georgien übergehen, ebenfalls unter der Voraussetzung, dass die erforderlichen Garantien erbracht werden.

Die endgültige Entscheidung über die Schacholympiade 2030 hängt somit weiterhin vom Abschluss des vorgesehenen Verfahrens ab.

Außerordentliche FIDE-Generalversammlung noch 2026

Eine weitere wichtige Entscheidung betrifft die Durchführung einer außerordentlichen FIDE-Generalversammlung online gegen Ende des Jahres 2026.

Zu den wichtigsten Aufgaben dieser Sitzung wird die Beratung über die Finanzplanung des Verbands gehören. Der FIDE-Rat soll einen Haushalt für 2027 sowie einen vorläufigen Haushalt für 2028 vorbereiten.

Dies ist insbesondere nach dem Führungswechsel von Bedeutung. Die neue FIDE-Führung erhält damit die Möglichkeit, ihre eigenen finanziellen Prioritäten bereits auf einer gesonderten Sitzung vorzustellen.

Weitere Themen auf der Tagesordnung

Die Tagesordnung der Generalversammlung war deutlich umfangreicher als die am meisten diskutierten Beschlüsse. Die Delegierten befassten sich außerdem mit:

* dem Finanzbericht der FIDE und Fragen der Rechnungsprüfung;

* Änderungen der Statuten und der Wahlordnung;

* den Regeln für Wechsel von Spielern zwischen nationalen Verbänden;

* Fragen zur Teilnahme von Spielern und zu Zulassungskriterien;

* Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Wertungssystems;

* der Entwicklung des FIDE-Kalenders;

* großen Turnieren für den Zeitraum 2026–2030;

* Berichten der kontinentalen Schachorganisationen;

* Fragen zur Mitgliedschaft einzelner Verbände;

* der Arbeit der FIDE-Kommissionen.

Die FIDE wies zudem darauf hin, dass die vollständige Liste der Beschlüsse und die offizielle Dokumentation zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden sollen.

Was wird sich im Weltschach verändern?

Betrachtet man die Beschlüsse der Generalversammlung in Samarkand als Ganzes, zeichnen sich mehrere zentrale Entwicklungen ab.

Erstens – ein Führungswechsel. Die FIDE hat mit Timur Turlov einen neuen Präsidenten und zugleich ein neues Führungsteam.

Zweitens – die weitere Entwicklung von Chess960. Die Einführung einer offiziellen Wertung soll diese Schachvariante stärker in das internationale Schachsystem integrieren.

Drittens – mehr Klarheit bei der Schacholympiade 2030. Katar hat für die weiteren Verhandlungen Priorität erhalten, während Georgien als Alternative vorgesehen ist, falls die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt werden.

Viertens – die bisherige Position gegenüber dem Russischen Schachverband bleibt bestehen. Der Versuch, dessen FIDE-Mitgliedschaft wiederherzustellen, war bei dieser Generalversammlung nicht erfolgreich.

Fünftens – die Vorbereitung auf einen neuen Finanzzyklus. Die außerordentliche Generalversammlung gegen Ende des Jahres soll sich mit den Haushalten für 2027 und 2028 befassen.

Samarkand markiert einen Übergang

Die FIDE-Generalversammlung 2026 war weit mehr als eine formelle Zusammenkunft der Delegierten. In Samarkand wurden ein neuer Präsident gewählt, ein neues Führungsteam gebildet und Entscheidungen getroffen, die sportliche Regeln, internationale Wettbewerbe und die weitere Entwicklung des Verbands betreffen.

Besonders bemerkenswert ist die Entscheidung über das Chess960-Wertungssystem. Wenn das System innerhalb der festgelegten Frist umgesetzt wird, verfügt eine der bekanntesten Schachvarianten der Welt ab 2027 über eine vollständige offizielle Wertungsmechanik.

Der Fokus richtet sich nun auf die nächste Arbeitsphase der neuen FIDE-Führung. Vor ihr liegen unter anderem die Finanzplanung, die Entwicklung internationaler Wettbewerbe, die Beziehungen zu den nationalen Schachverbänden und die Umsetzung der von der Generalversammlung verabschiedeten Beschlüsse.

Die Entscheidungen vom September 2026 sind daher weniger als Schlusspunkt zu verstehen, sondern vielmehr als Beginn eines neuen Führungszyklus der FIDE.