Die FIDE-Wahlkommission hat die Kandidatenlisten veröffentlicht
FIDE-Wahlkommission veröffentlicht Liste der gültigen Kandidaturen
Die Wahlen beim Weltschachverband FIDE sind in eine neue Phase eingetreten. Am 30. August veröffentlichte die FIDE-Wahlkommission ihren offiziellen Bericht und bestätigte die gültigen Kandidaturen für mehrere wichtige Ämter. Im Mittelpunkt stehen die Wahl von vier gewählten FIDE-Vizepräsidenten, ein Sitz in der Verfassungskommission sowie mehrere Wahlen zu den Zonenpräsidenten.
Die Entscheidung ist besonders relevant, da die FIDE-Generalversammlung im September in Samarkand nur noch wenige Wochen entfernt ist. Dort findet am 26. September 2026 die Wahl des FIDE-Präsidenten statt, außerdem stehen weitere Abstimmungen auf der Tagesordnung.
Eine entscheidende Etappe vor den Wahlen
Die FIDE-Wahlkommission hielt ihre Sitzung per Videokonferenz ab und verabschiedete ihre Entscheidungen zu den eingereichten Kandidaturen einstimmig. Der Kommission gehören Roberto Rivello, Yolander Perso und Allen Priest an.
Die Prüfung hatte zunächst vorläufigen Charakter. Die Kommission untersuchte die Bewerbungen der Kandidaten, die eingereichten Unterlagen und Nominierungen und prüfte deren Übereinstimmung mit den Wahlbestimmungen der FIDE. Gleichzeitig betonte die Kommission, dass diese Prüfung keine abschließende Überprüfung der Echtheit sämtlicher eingereichter Angaben darstellt und spätere Beschwerden nicht ausschließt.
Die Veröffentlichung der Listen markiert damit einen wichtigen Übergang von der Nominierungsphase zu den konkreten Vorbereitungen auf die Abstimmungen.
18 Kandidaten für vier Vizepräsidentenämter
Das größte Interesse gilt dem Rennen um die vier gewählten Vizepräsidentenämter der FIDE.
Ursprünglich waren beim FIDE-Büro 19 Kandidaturen eingegangen. Die Kandidatur von Benjamin Hoareau (Seychellen) wurde jedoch nicht als gültig anerkannt, da der Kandidat keine eigene Bewerbung eingereicht hatte. Seine Nominierung beruhte ausschließlich auf Unterstützungsschreiben von Schachverbänden, was nach den geltenden Regeln nicht ausreichte.
Die Wahlkommission bestätigte daher folgende Kandidaten:
* Igor Glek (Belgien)
* Georgios Mastrokoukos (Kanada)
* Xu Yuhua (China)
* Yassin Suleiman Hassan (Dschibuti)
Marta Fierro Baquero (Ecuador)
* Georgios Makropoulos (Griechenland)
* David Llada Fernandez (Spanien)
* Javier Ochoa de Echaguen (Spanien)
* Bharat Singh Chauhan (Indien)
* Willi Ikliki (Liechtenstein)
* Susan Namangale (Malawi)
* Olalekan Adeyemi (Nigeria)
* Joran Aulin-Jansson (Norwegen)
* Prospero A. Pichay Jr. (Philippinen)
* Pavel Kolobkov (Russland)
* Fuad Fahmi Darwish (Vereinigte Arabische Emirate)
* Michael Khodarkovsky (USA)
* Rustam Kasimdzhanov (Usbekistan)
* Die Kandidatur von Marta Fierro Baquero wurde unter Vorbehalt in die Liste aufgenommen. Sie muss ihre Bewerbung noch um die erforderlichen Erklärungen ergänzen.
Damit treten 18 Kandidaten für vier Positionen an. Die Voraussetzungen für einen entsprechend umkämpften Wahlgang sind somit gegeben.
Warum einige Nominierungen überprüft wurden
Die Kommission befasste sich gesondert mit der Unterstützung der Kandidaten durch nationale Schachverbände. Dabei wurde festgestellt, dass mehrere Verbände Empfehlungen zur Unterstützung von jeweils zwei unterschiedlichen Kandidaten eingereicht hatten. Dies widerspricht den Wahlbestimmungen der FIDE. Betroffen waren Gambia, Lettland, Sri Lanka und Thailand.
Die Kommission stellte jedoch fest, dass die betreffenden Kandidaten auch nach dem Ausschluss der umstrittenen Empfehlungen weiterhin über die erforderliche Zahl gültiger Unterstützerverbände verfügten.
Daher wurde kein Kandidat allein aufgrund dieser Probleme bei den Nominierungen aus dem Rennen genommen.
Die Kandidatur von Marta Fierro Baquero im Fokus
Einer der auffälligsten verfahrensrechtlichen Punkte im Abschnitt zu den Vizepräsidenten betrifft Marta Fierro Baquero.
Laut dem Bericht der Wahlkommission wurde sie von einem nationalen Gericht in einem Strafverfahren verurteilt und erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Nach den im Bericht angeführten Informationen führte das Urteil jedoch nicht automatisch zum Verlust ihrer bürgerlichen Rechte in ihrem Staat der Staatsangehörigkeit oder ihres Aufenthalts. Die Kommission kam daher zu dem Schluss, dass das entsprechende Kriterium für die Wählbarkeit erfüllt sei.
Gleichzeitig forderte die Kommission Fierro Baquero auf, ihre Bewerbung um die erforderlichen Erklärungen zu ergänzen. Aus diesem Grund wurde ihre Kandidatur mit einem entsprechenden Vorbehalt in die Liste aufgenommen.
Der Fall zeigt, dass die Veröffentlichung der Liste der gültigen Kandidaturen nicht zwangsläufig bedeutet, dass sämtliche verfahrensrechtlichen Fragen rund um jeden einzelnen Kandidaten bereits endgültig geklärt sind.
Zwei Kandidaten für einen Sitz in der Verfassungskommission
Eine weitere Abstimmung betrifft einen Sitz in der FIDE-Verfassungskommission.
Für diese Position wurden zwei Kandidaten nominiert:
* Francois Paul Strydom (Südafrika)
* Jorge Alfredo Arias Bouzada (Uruguay)
Nach ihrer vorläufigen Prüfung erklärte die Wahlkommission beide Kandidaturen für gültig.
Die abschließende Bewertung der beruflichen Erfahrung der Kandidaten fällt jedoch in den Zuständigkeitsbereich des FIDE-Rates. Hintergrund sind die Anforderungen an die Zusammensetzung der Verfassungskommission: Ihre Mitglieder müssen über einschlägige Erfahrung im Bereich Recht und Justiz verfügen oder ausreichende Erfahrung in FIDE-Strukturen beziehungsweise in einem nationalen Schachverband mitbringen.
Bei dieser Wahl geht es lediglich um einen Sitz in der Kommission.
Auch für die Zonenwahlen stehen offizielle Kandidatenlisten fest
Ein weiterer wichtiger Teil des Berichts befasst sich mit den Wahlen der FIDE-Zonenpräsidenten.
Hier gestaltete sich die Situation komplizierter. Die Wahlkommission erhielt zahlreiche Bewerbungen, musste einige davon jedoch aufgrund verspäteter Einreichung oder fehlender erforderlicher Unterlagen zurückweisen.
Europa
Folgende Kandidaturen wurden als gültig anerkannt:
* Zone 1.4: Milan Roman (Slowakei)
* Zone 1.7: Toms Kalnins (Lettland)
* Zone 1.10: Paris Klerides (Zypern)
Die Kandidatur von Dominik Cross (Portugal) für die Zone 1.1 wurde abgelehnt, da die Bewerbung nach Ablauf der festgelegten Frist eingegangen war.
Amerika
* Zone 2.3: Allan Herbert (Barbados)
* Zone 2.4: Kaiser Luis Mafra (Brasilien), Victor Pimentel Mendoza (Peru)
* Zone 2.5: Alejandra Andrea Diaz Sepulveda (Chile)
Damit ist die Zone 2.4 in diesem Bereich besonders umkämpft, da dort zwei Kandidaten um das Amt konkurrieren.
Asien
Die Liste für Asien fällt deutlich umfangreicher aus.
Zone 3.1
* Dhafer Abdulamer Madlum (Irak)
* Sabri AbdulMaula Sallam (Jemen)
Zone 3.2
* Syed Shahab Uddin (Bangladesch)
* Malinda Seneviratne (Sri Lanka)
Zone 3.4
* Aizharqyn Shyngys Kyzy (Kirgisistan)
* Zafar Mirzo (Tadschikistan)
* Vepa Malikgulyyev (Turkmenistan)
* Khulkar Tohirjonova (Usbekistan)
* Khusan Turdialiyev (Usbekistan)
Zone 3.5
* Huanyu Chen (China)
Zone 3.6
* Sean Patrick Press (Papua-Neuguinea)
Zone 3.7
* Sanjay Kumar Chadha (Indien)
Mehrere Kandidaturen aus Asien wurden nicht zugelassen. Die Bewerbungen von Mohammad Motlagh Al-Otaibi, Dominik Cross und Shadi Paridar gingen nach Ablauf der festgelegten Frist ein. Auch die Kandidatur von Godigamuwa Luxman Wijesuriya wurde nicht als gültig anerkannt, da er die erforderliche Bewerbung nicht eingereicht hatte.
In einigen Zonen bleibt die Wahlfrage noch offen
Die Wahlkommission wies zudem auf ein weiteres Problem hin: In einigen Zonen wurden überhaupt keine Kandidaturen eingereicht.
Grundsätzlich müssen die Zonenwahlen trotzdem stattfinden. Die Kommission betonte, dass weder ein fehlender Wettbewerb noch die Tatsache, dass eine Zone nur aus einem Verband besteht, die Verpflichtung zur Durchführung des in den Regeln vorgesehenen Wahlverfahrens aufhebt.
Unter außergewöhnlichen Umständen kann die Kommission jedoch einen neuen Einreichungstermin zulassen, wenn alle Verbände einer Zone einen Konsens erreichen und tatsächlich keine Kandidaten vorhanden sind. Eine solche Frist wäre spätestens der 10. September 2026.
Die Präsidentschaftswahl bleibt das wichtigste Ereignis
Trotz der zahlreichen Kandidaturen für andere Ämter bleibt der Kampf um das Präsidentenamt der FIDE der zentrale Wettbewerb dieses Wahlzyklus.
Die Liste der gültigen Präsidentschaftskandidaturen wurde bereits im Juli bestätigt. Drei Teams treten bei der Wahl an:
1. Jan Henric Buettner — Malcolm Pein
2. Vadim Rosenstein — Gordon Tang
3. Timur Turlov — Viswanathan Anand
Die Abstimmung findet am 26. September 2026 in Samarkand während der FIDE-Generalversammlung statt. Jeder auf der Generalversammlung und den entsprechenden Kontinentalversammlungen vertretene FIDE-Mitgliedsverband verfügt über eine Stimme.
Was die Veröffentlichung der Listen bedeutet
Die Veröffentlichung der gültigen Kandidaturen ist weit mehr als eine reine Formalität. Die FIDE hat damit faktisch eine der wichtigsten Vorbereitungsphasen des Wahlprozesses abgeschlossen.
Die Schachverbände und Delegierten können nun das endgültige Kandidatenfeld und die jeweiligen Programme bewerten. Gleichzeitig weist die Wahlkommission darauf hin, dass die vorläufige Zulassung einer Kandidatur die Möglichkeit weiterer Beschwerden oder einer erneuten Prüfung einzelner Fragen nach den Wahlbestimmungen nicht ausschließt.
Besonders interessant dürfte der Wettbewerb um die vier Vizepräsidentenämter werden. 18 Kandidaten für vier Positionen bedeuten eine erhebliche Konkurrenz. Gleichzeitig zeigt die geografische Vielfalt der Bewerber das Bestreben, unterschiedliche Regionen der weltweiten Schachgemeinschaft in den Führungsstrukturen der FIDE abzubilden.
Die letzte Phase vor Samarkand
Bis zur entscheidenden Abstimmung ist es weniger als ein Monat. Damit geht der Wahlkampf innerhalb der FIDE allmählich von der Nominierungsphase in seine entscheidende Phase über.
Die Generalversammlung wird nicht nur über den nächsten FIDE-Präsidenten entscheiden. Die Delegierten bestimmen auch die Zusammensetzung mehrerer wichtiger Führungs- und Aufsichtsgremien und legen damit die organisatorische Struktur des Weltschachverbands für die kommende Amtsperiode fest.
Die am 30. August veröffentlichte Liste macht eines deutlich: Die Kandidaturen wurden geprüft, die wesentlichen Konturen der Wahlen stehen fest, und die entscheidende Frage lautet nun nicht mehr „Wer darf antreten?“, sondern „Wer erhält die Stimmen?“
Die endgültige Antwort darauf wird die Schachwelt am 26. September 2026 in Samarkand erhalten.