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Esipenko und Garifullina sind russische Schachmeister 2026

Esipenko und Garifullina sind Russlands neue Schachmeister: Dramatisches Finale der Superfinals in Rostow

Dem einen genügte ein Remis, um sich den Titel eine Runde vor Schluss zu sichern. Die andere musste nach elf Runden erneut ans Brett und einen zusätzlichen Wettkampf gewinnen. Die Superfinals der russischen Schachmeisterschaften in Rostow am Don schrieben zwei ganz unterschiedliche Geschichten: den souveränen Erfolg von Andrey Esipenko und die spannende Titelentscheidung zwischen Leia Garifullina und Ekaterina Goltseva.

Andrei Esipenko und Leia Garifullina sind russische Schachmeister 2026

Esipenko wurde erstmals russischer Meister. Garifullina gewann ihren ersten nationalen Titel durch einen 2:0-Sieg gegen Goltseva im Stichkampf. Ihre Erfolge zeigten, wie wichtig zwei Eigenschaften im Titelrennen sind: Konstanz über das gesamte Turnier und die Fähigkeit, unter höchstem Druck die entscheidende Leistung abzurufen.

Esipenko: Erstes Gold in der Heimat

Für Andrey Esipenko hatte das Turnier in Rostow eine besondere Bedeutung: Der Großmeister vertritt die Region Rostow. Der Sieg beim Superfinal in der Heimat war der nächste Schritt nach seinen zweiten Plätzen in den Jahren 2024 und 2025. Diesmal stand er ganz oben auf dem Podest.

Die Unterstützung des heimischen Publikums gab seinem Erfolg einen passenden Rahmen. Seinen Vorsprung musste er sich dennoch selbst erarbeiten — Zug für Zug und Partie für Partie. Ein Heimturnier kann zusätzliche Motivation geben, erhöht aber auch die Erwartungen: Vor den Menschen, die einen unterstützen, möchte man besonders gut spielen.

Die Entscheidung fiel in der zehnten und damit vorletzten Runde. Esipenko spielte gegen David Paravyan, einen seiner engsten Verfolger, remis. Auch Evgeny Najer teilte an diesem Tag den Punkt mit Alexey Goganov. Damit war der Spitzenreiter nicht mehr einzuholen: Sieben Punkte und eineinhalb Punkte Vorsprung bei nur noch einer ausstehenden Runde.

Genau darin liegt die Stärke eines vorzeitig gesicherten Titels. Esipenko musste weder auf einen Fehler der Konkurrenz in der Schlussrunde hoffen noch seine letzte Partie unbedingt gewinnen. Die nötige Vorarbeit hatte er bereits geleistet.

Das Frauenturnier: Spannung bis zum Schluss

Im Frauenturnier verlief der Kampf um den Titel deutlich enger. Vor der zehnten Runde gehörte Anastasia Bodnaruk zur Spitzengruppe, doch ihre Niederlage gegen Valentina Gunina veränderte die Lage an der Tabellenspitze.

Leia Garifullina spielte gegen Anna Shukhman remis. Ekaterina Goltseva besiegte Olga Girya mit Schwarz und zog dadurch mit Garifullina gleich. Vor der letzten Runde hatten beide Spitzenreiterinnen 7½ Punkte, Bodnaruk lag mit sieben Punkten knapp dahinter. Das Titelrennen blieb offen.

Eine solche Ausgangslage macht die Schlussrunde besonders anspruchsvoll. Die Spielerinnen müssen sich auf ihre eigene Stellung konzentrieren und zugleich die Ergebnisse an den anderen Brettern im Blick behalten. Zu große Vorsicht kann den Titel kosten, übermäßiges Risiko die Arbeit eines ganzen Turniers zunichtemachen.

Garifullina und Goltseva hielten dem Druck stand. Leia gewann mit Schwarz gegen Marina Korneva, Ekaterina setzte sich mit Weiß gegen Ekaterina Kovalevskaya durch. Beide beendeten das klassische Turnier mit 8½ Punkten aus elf Partien. Ein Stichkampf musste die Meisterin bestimmen.

Garifullina gewinnt beide Partien im Stichkampf

Nach dem langen Turnier mussten die beiden Titelanwärterinnen auf Schnellschach umstellen. In diesem Format bleibt weniger Zeit, Varianten zu überprüfen, und ungenaue Entscheidungen können besonders schwer wiegen.

Garifullina gewann beide Partien und entschied den Stichkampf mit 2:0 für sich. Auf den Gleichstand nach dem klassischen Turnier folgte ein eindeutiges Ergebnis im direkten Duell. Leia wurde erstmals russische Meisterin, Goltseva gewann Silber.

Für Ekaterina dürfte es enttäuschend sein, Gold so knapp verpasst zu haben. Ihr Weg in den Stichkampf verdient dennoch Anerkennung: Mit Siegen in den letzten beiden Runden schloss sie zur Spitzenreiterin auf und hielt ihre Titelchancen bis zum Ende aufrecht.

Medaillen und neue Chancen

Esipenko beendete das Turnier mit 7½ Punkten aus elf Partien. Evgeny Najer gewann dank der besseren Feinwertung Silber, David Paravyan holte Bronze. Bei den Frauen wurde Anastasia Bodnaruk mit 7½ Punkten Dritte. Garifullina, Goltseva und Bodnaruk qualifizierten sich für den FIDE-Weltpokal der Frauen.

Bei den Superfinals in Rostow ging es somit um mehr als nationale Medaillen. Für die drei Medaillengewinnerinnen öffnete sich zugleich der Weg zu einer weiteren großen internationalen Herausforderung.

Zwei Wege zum Meistertitel

Besonders eindrucksvoll war, wie unterschiedlich die beiden Goldmedaillen gewonnen wurden. Esipenko erspielte sich einen deutlichen Vorsprung und sicherte den Titel vorzeitig. Garifullina lieferte sich bis zum Ende des klassischen Turniers ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer Konkurrentin und gewann anschließend das direkte Duell um Gold.

Die Superfinals in Rostow erinnerten daran, dass Meisterschaften nicht allein durch spektakuläre Kombinationen entschieden werden. Manchmal gibt ein Remis im richtigen Moment den Ausschlag. Manchmal braucht es einen Sieg in der letzten Runde. Und manchmal ist eine weitere Kraftanstrengung nötig, obwohl das eigentliche Turnier bereits beendet ist.

Für Andrey Esipenko und Leia Garifullina begann mit diesem Abschluss ein neues Kapitel: Beide haben nun ihren ersten russischen Meistertitel gewonnen.