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Schach in der Antarktis: Erstes FIDE-Turnier am Südpol

Schach am Ende der Welt: Antarktis und Südpol als Schauplatz des ersten FIDE-gewerteten Turniers

Schach hat die klassischen Turniersäle längst hinter sich gelassen. Partien wurden bereits in Stadien, Museen, an Bord von Flugzeugen und an einigen der ungewöhnlichsten Orte der Welt gespielt. Doch ein neues Projekt verspricht, diese Idee auf eine völlig neue Ebene zu bringen: Die Polar Chess Expedition wird ein offizielles FIDE-gewertetes Turnier in die Antarktis und anschließend bis zum geografischen Südpol bringen.

Шахматный турнир в Антарктиде и на Южном полюсе

Sechs Schachspieler, die alle sechs bewohnten Kontinente vertreten, werden zu einem der extremsten Orte der Erde reisen. Das Turnier wird im Schnellschach ausgetragen, die Partien sollen live übertragen werden, und die Organisatoren hoffen, gleich mehrere außergewöhnliche Rekorde aufzustellen.

Sechs Kontinente – ein Schachbrett

Das Besondere an der Expedition ist nicht allein der Austragungsort. Sechs Spieler werden an dem Turnier teilnehmen, wobei jeder einen der bewohnten Kontinente der Erde repräsentiert.

Das Teilnehmerfeld:

* Aung Kyaw Moe – Candidate Master aus Myanmar, Asien;

* Damaris Abarca González – FIDE-Meisterin aus Chile, Südamerika;

* Jesse February – Internationale Meisterin aus Südafrika, Afrika;

* Nigel Short – Großmeister aus England, Europa;

* Sean Press – FIDE-Meister aus Papua-Neuguinea, Ozeanien;

* Tris-Ann Richards – Woman Candidate Master aus St. Lucia, Nordamerika.

Damit wird das Schachbrett zu einem symbolischen Treffpunkt für Spieler aus allen bewohnten Teilen der Welt.

Auch die Auswahl der Teilnehmer erfolgte nicht zufällig. Jeder von ihnen ist mit einem nationalen oder regionalen Schachverband verbunden.

Nigel Short führt das ungewöhnliche Teilnehmerfeld an

Der bekannteste Teilnehmer der Expedition wird der englische Großmeister Nigel Short sein.

Die Antarktis hat für ihn eine besondere Bedeutung. Die Idee für das Projekt entstand ursprünglich aus einer Beobachtung von Short: Er hatte zuvor darauf hingewiesen, dass es ihm gelungen war, Turniere auf allen Kontinenten außer der Antarktis zu gewinnen.

Aus dieser interessanten persönlichen Tatsache entwickelte sich schließlich eine vollständige Expedition. Aung Kyaw Moe übernahm die Initiative, die Idee in die Praxis umzusetzen. Gemeinsam mit Short nahm er Kontakt zu Schachverbänden auf verschiedenen Kontinenten auf. So entwickelte sich aus der ungewöhnlichen Reise schließlich ein offizielles FIDE-gewertetes Turnier.

Short bringt zudem eine beeindruckende sportliche Vita mit. 1993 wurde er zum ersten Engländer seit mehr als einem Jahrhundert, der einen Weltmeisterschaftskampf bestritt – gegen Garry Kasparov. Heute ist Short außerdem als FIDE-Direktor für Schachentwicklung tätig.

Das Turnier findet auf antarktischem Eis statt

Die Organisatoren planen, den Wettbewerb im Schnellschachformat auszutragen. Die ersten Partien sollen auf dem Gebiet der Antarktis stattfinden, bevor die Teilnehmer ihre Reise zum geografischen Südpol fortsetzen.

Das endgültige Ziel liegt bei 90° südlicher Breite – dem Punkt, der allgemein als Südpol bezeichnet wird.

Jede Turnierrunde soll live übertragen werden. Damit können Zuschauer auf der ganzen Welt die Partien von einem Ort verfolgen, der möglicherweise zum entlegensten Schachspielort der Erde wird.

Hinzu kommt ein ungewöhnlicher Faktor: Die Spieler müssen nicht nur ihren Gegner, die Uhr und die Stellung auf dem Brett im Blick behalten, sondern auch mit den extremen Umweltbedingungen zurechtkommen.

Wie Sean Press, der Vertreter Ozeaniens, betonte, könnte an einem solchen Ort der größte Gegner nicht der Mensch auf der anderen Seite des Brettes sein, sondern das Wetter.

Ein Versuch, Schachrekorde aufzustellen

Die Polar Chess Expedition wurde nicht einfach als ungewöhnliche Reise konzipiert. Die Organisatoren streben mehrere besondere Leistungen an.

Das wichtigste Ziel besteht darin, das Turnier als südlichstes Schachturnier der Geschichte anerkennen zu lassen.

Das Projekt könnte außerdem das erste Schachereignis werden, bei dem Vertreter aller sechs bewohnten Kontinente direkt am geografischen Südpol zusammenkommen.

Sollte der Versuch erfolgreich sein, würde die Schachgeografie um einen bemerkenswerten symbolischen Punkt erweitert.

Warum dieses Turnier mehr als nur ein Rekord ist

Auf den ersten Blick könnte das Projekt vor allem wie eine ungewöhnliche Möglichkeit wirken, Aufmerksamkeit für das Schachspiel zu gewinnen. Seine Bedeutung geht jedoch deutlich weiter.

Schach benötigt kein Stadion, keine große Menge an Ausrüstung und keine komplexe Infrastruktur. Für eine Partie braucht man ein Brett, Figuren, eine Uhr und zwei Gegner. Gerade diese Einfachheit ermöglicht es, Schach nahezu überall zu spielen.

Der Südpol macht aus einer gewöhnlichen Schachpartie jedoch eine echte Herausforderung.

Die sechs Teilnehmer werden sich an einem Ort befinden, der eher mit wissenschaftlichen Expeditionen und extremen Reisen als mit Sportveranstaltungen verbunden ist. Die grundlegende Herausforderung des Schachs bleibt dennoch unverändert: begrenzte Bedenkzeit, schwierige Entscheidungen und ein ständiger Kampf um die Initiative.

Schach, das den Planeten verbindet

Die Herkunft der Teilnehmer verleiht dem Projekt eine zusätzliche symbolische Dimension.

Afrika, Asien, Europa, Nord- und Südamerika sowie Ozeanien – alle sechs bewohnten Kontinente werden an einem einzigen Schachbrett vertreten sein.

Für Damaris Abarca González hat diese Idee eine besondere Bedeutung: Schach kann nicht nur einen einzelnen Spieler, sondern einen ganzen Kontinent repräsentieren. Tris-Ann Richards wiederum betont, dass die Teilnahme an einer solchen Expedition zeigt, wie weit Schach einen Menschen führen kann – unabhängig von der Größe seines Landes.

Genau deshalb ist die Polar Chess Expedition mehr als nur ein weiteres ungewöhnliches Turnier.

Sie ist der Versuch, Schach als globale Sprache zu präsentieren, die Menschen selbst an einem der unzugänglichsten Orte der Erde miteinander verbinden kann.

Der Südpol könnte ein neuer Punkt auf der Schachkarte werden

Die Geschichte des Schachs reicht Jahrhunderte zurück, doch das Spiel findet immer wieder neue Formen und neue Austragungsorte.

Nun könnte die Antarktis zum nächsten außergewöhnlichen Ziel werden.

Wenn die Expedition wie geplant verläuft, werden sechs Spieler etwas tun, das bis vor Kurzem eher wie eine Idee aus einem Abenteuerfilm geklungen hätte: Sie werden ein offizielles FIDE-gewertetes Turnier mitten im antarktischen Eis spielen und das Schach anschließend bis auf 90° südlicher Breite bringen.

Letztlich ist der mögliche Rekord jedoch nicht das Einzige, was zählt. Viel interessanter ist die Idee dahinter – Schach an einen Ort zu bringen, an dem es praktisch kein dauerhaftes menschliches Leben gibt, und zu zeigen, dass dieses Spiel tatsächlich keine Grenzen kennen muss.

Die Polar Chess Expedition könnte den Südpol zu einem der außergewöhnlichsten Schauplätze in der Geschichte des Weltschachs machen. Und wenn es den Teilnehmern gelingt, das geplante Vorhaben vollständig umzusetzen, wird eine Partie am Ende der Welt mehr sein als ein sportliches Ereignis – sie könnte zu einem eigenen Kapitel der Schachgeschichte werden.

Quelle: Offizielle Mitteilung der Organisatoren der Polar Chess Expedition, veröffentlicht am 7. September 2026.